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Florian Schroeder kommt mit seinen Tiraden im Osterfeld gut an. Foto: Roller
Florian Schroeder kommt mit seinen Tiraden im Osterfeld gut an. Foto: Roller
20.10.2016

Kabarettistischer Rundumschlag – Florian Schroeder im Osterfeld

Pforzheim. Den Sitz in aufrechte Position, die Augen geradeaus, und los geht die wilde Fahrt. Vorbei an Helikopter-Eltern, dumm-dämlichen Müsli-Reklamen – und einer Kanzlerin, die sich nicht gut fühlt, wenn Homosexuelle heiraten dürfen. Florian Schroeder lässt bei seinem Auftritt im Pforzheimer Kulturhaus Osterfeld wirklich nichts aus. Muss er auch nicht. Denn schließlich geht es in seinem neuen Programm um die Schwierigkeit, Entscheidungen zu treffen. Das ist nämlich gar nicht so einfach, meint Schröder. Erst recht nicht im Drogeriemarkt, wo es fast alles doppelt und dreifach gibt. Überforderung pur. Dabei würde ihm doch eigentlich ein Shampoo reichen, auf dem nur steht: „Macht die Haare sauber.“ So einfach könnte es sein. Könnte, wohlgemerkt.

Aber heute scheint ja der Grundsatz zu gelten: „Von der Zeugung bis zur Leiche, vergleiche, vergleiche.“ Doch Vorsicht. Denn wer sich im Fachgeschäft beraten lässt und noch im Laden das Produkt mit dem Smartphone online bestellt, der geht für Schroeders Empfinden entschieden zu weit. Da kann sich der Kabarettist ganz schön aufregen, und dann, ganz plötzlich, entfährt es ihm auch schon mal: „Konsumdrecksau.“

Überhaupt scheint sich Schroeder gerne zu echauffieren. Man hat fast den Eindruck, es bereite ihm Freude. Gründe gibt es schließlich mehr als genug. Da wäre zum Beispiel die immer verstopfte A 8 von Stuttgart nach Pforzheim, für Schroeder „die verkackteste Autobahn“. Schroeder kennt eben kein Pardon. Er schreckt vor nichts und niemandem zurück. Noch nicht mal vor dem Papst.

Der hat ja gesagt, Eltern dürften ihre Kinder auch mal schlagen, aber mit Würde. Kein Wunder, meint Schroeder, denn „für die Zärtlichkeiten sind ja schon die katholischen Priester zuständig.“ Ganz schön heftig, solche Thesen. Und man fragt sich schon manchmal: Darf der das? Das darf der, denn Schroeder kann nicht nur sticheln, er hat auch handfeste Lösungsvorschläge parat. Sein Tipp, um der AfD den Garaus zu machen: eine Koalition mit der CDU. „Angela Merkel regiert die in Grund und Boden.“ Für Jugendliche fordert er das Wahlrecht ab 16 Jahren, beklagt sich über Kurzschlussreaktionen in der Politik und die zunehmende Bevormundung.

Schroeders Gedanken sind keine leichte Kost. Aber trotz aller Komik steckt viel Wahres in ihnen. Am Ende belohnt ihn das Publikum mit stürmischem Beifall, auf den Schroeder seinerseits erklärt: „Ich komme wieder.“ Bei ihm klingt es fast wie eine Drohung.