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Die Kapelle in Hohenwart hat Norbert Nolte als Kunstraum gestaltet. Foto: Jütten
Die Kapelle in Hohenwart hat Norbert Nolte als Kunstraum gestaltet. Foto: Jütten
24.09.2016

Käfige als Speicher der Stille

Pforzheim. Es ist ein ungewöhnliches Bild, das sich dem Besucher der Kapelle des Hohenwart Forums bietet: geöffnete Vogelkäfige, so weit das Auge blicken kann, von der zeltähnlichen Decke so niedrig abgehängt, dass der Kopf sich stoßen kann, zu Türmen montiert und einzeln an den Wänden befestigt. Dazu an den Wänden Bilder und dort, wo sonst das Kreuz zwischen Truhenorgel und siebenarmigem Leuchter steht, ein invertiertes Kreuz, das im Betrachter durch die Fokussierung auf die Zwischenräume entsteht. Denn Norbert Nolte, der Künstler, der diese Verwandlung vollzogen hat, positionierte dort zwei gleich große Gemälde aus der „Horizonte“-Serie auf schlichte Holzböcke, die ebenfalls als Reverenz ans Kreuz gelesen werden können.

Rund 70 Arbeiten hat Nolte mitgebracht an seine ehemalige Wirkungsstätte, denn der zwischenzeitlich in Nürnberg lebende „Monteur und Collageur“ (so Nolte über sich selbst) lebte früher in Pforzheim und unterrichtete am Schiller-Gymnasium. Jetzt gibt es in Hohenwart seine Gemälde und Collagen zu entdecken, die mit dem Bilderschatz der Kunstgeschichte spielen und ihn zitathaft einbauen in Arbeiten, die auf die Ferne wie Drucke wirken, weil das Motiv scherenschnittartig wiederholt wird. Bei näherer Betrachtung werden aber die Unterschiede deutlich, denn Nolte schöpft aus einer Fülle mit Lack abstrakt bemalter Kartons im Postkartenformat, die er zu einer Farbkomposition zusammenstellt und anschließend mit Schablonen von beispielsweise Fotografen oder Skatern überdruckt.

Charakteristisch für die Arbeiten sind zudem collagierte Farb-Punkte, die mal den Weg zu weisen scheinen, mal wie Zielscheiben, aber auch wie die Gedankenpünktchen am Ende eines Satzes wirken können. Gerade bei seinen kleinformatigeren Arbeiten erweist sich Nolte zudem als Bildersammler: Auf Flohmärkten und in Antiquariaten kauft er Bücher mit Illustrationen auf, die er in seine Bilder integriert. Es sind Stiche aus botanischen und Tierbüchern, die er akribisch ausschneidet und dann aufklebt. Nicht nur die vom Menschen domestizierte Natur und – selten – der urbane Alltag wird thematisiert, auch die Sterne, der Horizont in seiner Vielgestaltigkeit, ob als Himmelssphäre für den fliegenden Vogel, als baumbestandene Ferne oder als Moment des Schattenwurfs. Der (eigene) Horizont kann entsprechend als Ort der Reflexion verstanden werden, dazu lädt die Kapelle des Hohenwart Forums ein.