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Eingespieltes Duo: Misa Nakamoto an der Violine und Jürgen Kruse am Klavier gestalten eine spannende Matinee.  Molnar
Eingespieltes Duo: Misa Nakamoto an der Violine und Jürgen Kruse am Klavier gestalten eine spannende Matinee. Molnar
19.12.2017

Kammerkonzert im Theater mit Violinistin Misa Nakamoto und Pianist Jürgen Kruse

Pforzheim. Der Sommer mitten im Winter: Das Kammerkonzert der Violinistin der Badischen Philharmonie Pforzheim, Misa Nakamoto, und des freischaffenden Pianisten aus Stuttgart, Jürgen Kruse, hätte bereits im Juni dieses Jahres im Foyer des Theaters stattfinden sollen.

Aufgrund des Pforzheimer Gastspiels in Ungarn und der Einladung Kruses nach Bayreuth musste der inzwischen sechste Auftritt des Duos verschoben werden. Was dem Zusammenspiel keinen Abbruch tut: Mit Hingabe verschreiben sich die einander vertrauten Musiker, die sich seit über 20 Jahren kennen, den Werken von Karol Szymanowski, Erich Wolfgang Korngold und Richard Strauss. Werken, die im Stil der Spätromantik und Moderne geschrieben sind. So verbindet der polnische Komponist Szymanowskietwa Folklore-Elemente seiner Heimat mit der orientalischen Musik, macht daraus eine ganz eigene, impressionistische Klangsprache

Mystisch leiten Nakamoto und Kruse den Bauerntanz aus dem Ballett „Harnaise“ ein, steigern ihn bald mit wilden Figuren und springendem Bogen. Bei dem langsam-melancholischen Chant de Roxane aus der Oper „Król Roger“ beeindruckt die Geigerin mit hohen, eisig wirkenden Flageoletts. Expressiv auch die „Mythen. Drei Poeme für Violine und Klavier op. 30“. Im ersten Satz sprudelt das Klavier zu langen Strichen und Doppelgriffen der Violine, es flirrt und klingt gewollt dissonant. Aufwühlend der zunächst süßliche, dann mitreißende zweite Satz, schwirrend schnell der dritte mit flinken Staccati und erneutem, zartem Flageolett als Solokadenz. Harmonischer erklingen Korngolds vier Stücke aus der Musik zu Shakespeares „Viel Lärm um nichts“ op. 11. Grob gehackt und rhythmusbetont etwa „Holzapfel und Schlehwein (Marsch der Wache)“, tänzerisch und heiter „Mummenschanz (Hornpipe)“.

Zum Abschluss der Matinee steht Strauss’ kunstvolle und farbenreiche Violinsonate Es-Dur op. 18 auf dem Programm, die dessen Hinwendung zur Sinfonischen Dichtung markiert. Besonders im furiosen Final-Allegro kann Nakamoto ihre technischen Fertigkeiten zeigen, was ihr virtuos gelingt.

Düster leitet Kruse den Satz ein, glänzt im Verlauf mit rauschenden Akkorden. Im leidenschaftlichen Kopfsatz wirkt sein Part teils stampfend laut. Spannend gestalten die zwei Musiker die vielschichtigen, sowohl drängenden als auch lyrischen Themen. Als Zugabe gibt es noch eine rhythmisch reizvolle Synkope von Fritz Kreisler. Anita Molnar