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Die junge Regisseurin Henrika Kull stellte im Kommunalen Kino ihren ersten Spielfim "Jibril" vor und beantwortete die Fragen der Zuschauer. 

Kann Liebe Gefängnisgittern trotzen? Die Antwort gab‘s bei „Jibril“ im KoKi

Pforzheim. Henrika Kulls erster Spielfilm heißt „Jibril“. Das 83-minütige Drama ist die Abschlussarbeit der jungen Regisseurin, die aus der Goldstadt stammt. „Jibril“ wurde 2018 im Rahmen der Berlinale vorgestellt und läuft gegenwärtig in bundesweit 17 Kinos an. Bei seiner Premiere im Kommunalen Kino Pforzheim stellten sich die Regisseurin und ihre vielseitig talentierte Hauptdarstellerin Susana Abdulmajid am Sonntagabend den Fragen des Publikums.

Susana Abdulmajid stammt aus Heidelberg. Sie spielt in „Jibril“– die arabische Version des Namens Gabriel – die alleinerziehende Mutter Maryam in Berlin. Bei der Erziehung ihrer drei Töchter wird sie nur von ihrer konservativen Mutter unterstützt, dem Kontakt ihrer aufmüpfigen Zwölfjährigen zum Vater steht sie ablehnend gegenüber. Aus einem flüchtigen Flirt während einer Hochzeit entsteht später Maryams Liebe zum Häftling Jibril (gespielt von Malik Adam). Warum er seit drei Jahren im Gefängnis sitzt und sich dort Gabriel nennt, bleibt ebenso offen wie die Frage, weshalb Maryams Ehe gescheitert ist.

Regisseurin Kull und ihre Kamerafrau Carolina Steinbrecher bleiben durchgängig extrem nahe an den beiden Hauptfiguren; sie porträtieren minutiös ein Jahr der nur anfangs platonischen Beziehung von Maryam und Jibril. Vieles spricht gegen ihre Romanze, vor allem er leidet unter der haftbedingten Trennung und wird gegenüber Mitgefangenen aggressiv. Doch die Sehnsucht der beiden Protagonisten ist so groß, dass sie später die Ehe hinter Gittern mehr schlecht als recht vollziehen.

Der Film endet abrupt mit dem getrennt verbrachten Silvesterabend der beiden. Er wirft mehr Fragen auf, als er beantwortet. Viele Zuschauer suchen daher nach der Pforzheimer Premiere bei Henrika Kull und Susana Abdulmajid nach Antworten. Eine Zuschauerin erkundigt sich, ob der Film auch Gefangenen gezeigt worden sei und wie die denn reagiert haben. „Sie waren stark berührt“, antwortet Henrika Kull, „und fanden cool, dass der Alltag und nicht die Klischees gezeigt wurden“. Sie betont außerdem, dass sie im Knast Männer als „wahnsinnig reflektiert und sehr sensibel“ erlebt hat.

Sehr einfühlsam ist die Musik des Spielfilms. Vor allem der von Dascha Dauenhauer komponierte Song „Yella Hayat“ schmeichelt sich im Abspann nachhaltig ins Ohr. Ihm hat Susana Abdulmajid die Stimme geliehen.