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Autor Karl-Heinz Ott.  Foto: Volz 

Karl-Heinz Ott stellt neues Buch über Beethovens Sinfonien vor

Pforzheim. Noch ein Buch über Beethovens Sinfonien? Stichhaltige Gründe dafür gibt es genug, das zeigte der Schriftsteller, Essayist, Übersetzer, Theatermann und studierte Musikwissenschaftler Karl-Heinz Ott bei der Vorstellung seines Werkes „Rausch und Stille“ in der Heilig-Geist-Kirche in Dillweißenstein.

Die von der Buchhandlung Mumm organisierte Lesung war dabei eher ein eloquenter, völlig frei gehaltener Vortrag mit Musikbeispielen am Klavier, klug recherchiert, wenn auch ein wenig weitschweifig. Ott wollte ein Buch schreiben, das für ein breites Publikum verständlich ist. Außerdem komme in Fachbüchern „das ganz Drumrum“ nicht vor. Damit meint der Autor die Lebenswirklichkeit, die heute eine völlig andere ist als zu Beethovens Zeiten und davor.

Reine Instrumentalmusik, so Ott, gebe es noch gar nicht so lange, und sie wurde von den Komponisten selbst zunächst als unwesentlich betrachtet, von Publikum und Kritikern als unnatürlich verurteilt. „Beethoven war der erste Komponist, der sein vollkommenes Augenwerk auf reine tönende Musik setzte“, so Ott.

Aber das war nicht das einzige, was zur Entstehungszeit kühn und ungewohnt war. Beethovens Sinfonien dauern sehr lange, sie werden mit riesiger Orchesterbesetzung gespielt. Der Komponist holte Trompeten und vor allem Posaunen, die zuvor nur zur Jagd und für Präsentationsmusiken verwendet wurden, in den Saal. Die Musik ist laut und wirkt chaotisch – und das ist sie in gewisser Hinsicht auch, wie Ott am Klavier eindrucksvoll vorspielte.

Während die Komponisten vor ihm wie etwa Mozart sich in einer Tonart bewegen und mit Melodiebögen als Themen arbeiten, hämmert sich Beethoven wild durch die Tonarten und konzentriert sich nur auf „brachiale Harmonieseligkeit“. Melodien gibt’s bei ihm nicht. Die Musik bekommt Struktur durch den Rhythmus, der gewollt aus dem Metrum fällt. Mit heutigen Hörgewohnheiten kann man unschwer Verbindungen zum Jazz herstellen – aber damals?

Langer Beifall für einen intellektuell unterhaltsamen und anspruchsvollen Literaturabend.