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Harry Ettlinger (r.) mit einem Rembrandt Gemälde in der Heilbronner Saline (1945)
harry © Courtesy National Archives
07.02.2014

Karlsruhe und die "Monuments Men" - Kunstbergung im Zweiten Weltkrieg

Der Vortrag setzt das historische Schicksal der Werke der Kunsthalle mit der Darstellung der Ereignisse in dem am 20. 2. startenden Film "Monuments Men - Ungewöhnliche Helden" von George Clooney in Beziehung.

Am 20. Februar kommt der Film „Monuments Men“ (Regie: George Clooney) nach einer Textvorlage von Robert Edsel in die deutschen Kinos. Er schildert die historisch überlieferten Erlebnisse einer Gruppe amerikanischer Kunstschutzoffiziere, die sich gegen Ende des Zweiten Weltkriegs um den Schutz des deutschen Kulturgutes, also Kulturgut ihrer Feindesmacht, bemühten. Sie verstanden sich selbst als eine Art „Rotes Kreuz für die Kunst“. Ihr Ziel war es Zerstörungen von Baudenkmälern,

Museumsbeständen, Archivmaterial, Bibliotheken und privatem Kunstbesitz maximal einzudämmen, und die Eigentumsverhältnisse der von Hitler im Rahmen seiner Kunstraubzüge zusammengetragenen Werke aufzuklären. Dafür markierten sie schützenswerte Gebäude, und sie durchforsteten das Land nach Depots und Verstecken. Sie bargen unterirdisch eingelagerte Kulturgüter aus Bergstollen, Salzminen, Bergwerken und Luftschutzkellern – darunter sowohl museale Sammlungen, als auch von Hitler in Kunstraubzügen im In- und Ausland erbeutete Werke. Diese wurden in sogenannten Collecting Points gesammelt, nach Ländern sortiert und hinsichtlich ihrer Provenienz überprüft. Anschließend wurden sie an ihre rechtmäßigen Eigentümer (privat oder öffentlich, im In- und Ausland) zurückgegeben.

Einer von ihnen war der damals nur 18 Jahre alte Schütze Harry L. Ettlinger, geboren 1926 in Karlsruhe. Als Kind jüdischer Eltern emigrierte er 1938 in die USA. Nachdem er die Schule in Newark abgeschlossen hatte, wurde er dort zum Militär eingezogen. 1945 kam er zu den „Monuments Men“.

Eine besondere Geschichte verbindet Herrn Ettlinger mit der Kunsthalle Karlsruhe und deren Selbstporträt von Rembrandt Harmensz van Rijn (Inv. Nr. 238). Ettlingers Großvater, wohnhaft in Bruchsal, besaß eine hochwertige, künstlersignierte Radierung nach diesem Bild von Walter Conz (1872–1947), die er einst als Jahresgabe vom Badischen Kunstverein erhalten hatte. Dem jungen Harry Ettlinger gefiel diese Grafik sehr, doch als er das Original in der Kunsthalle anschauen wollte, waren die Nationalsozialisten bereits an der Macht, und da Anhängern des jüdischen Glaubens das Betreten öffentlicher Gebäuden und somit auch Museen verboten war, wurde ihm der Zutritt verwehrt. So kam es, dass Ettlinger das Rembrandt-Gemälde erstmals 1945 im Original sah, als er im Rahmen seiner Tätigkeit als „Monuments Man“ das Kunstdepot im Salzbergwerk Heilbronn sichtete und einige darin befindlichen Bergungskisten öffnete. In einer davon befand sich das Rembrandt-Porträt. Zusammen mit den übrigen Sammlungsbeständen brachte es Ettlinger der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe zurück.

Eintritt frei. Weitere Informationen: www.kunsthalle-karlsruhe.de