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Eddie Redmayne lockte als Newt Scamander in „Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen“ die meisten Besucher in die Kinos. Foto: Warner Bros.
Eddie Redmayne lockte als Newt Scamander in „Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen“ die meisten Besucher in die Kinos. Foto: Warner Bros.
07.02.2019

Kino-Ticketverkäufe: Schlechteste Zahlen seit Jahrzehnten – starker Rückgang auch in Pforzheim

Berlin/Pforzheim. So wenig Tickets wie seit Jahrzehnten nicht – die Zahl der Kinobesucher in Deutschland ist im vergangenen Jahr drastisch zurückgegangen. Noch 105,4 Millionen Kinogänger wurden 2018 gezählt. Damit wurden 13,9 Prozent weniger Tickets als im Vorjahr verkauft. 2017 hatten noch 122,3 Millionen Menschen für einen Film im Kino bezahlt. Kurz vor den 69. Internationalen Filmfestspiele, die heute in Berlin beginnen, verzeichnet die Branche die schlechtesten Zahlen seit 1992. Damals waren 105,9 Millionen Tickets an den Kinokassen verkauft worden.

„Woher die Zahl mit dem Rückgang von 13,9 Prozent kommt, ist mir nicht klar. Laut meinen Infos ist der Rückgang etwas höher“, sagte Michael Geiger, Geschäftsführer der Pforzheimer Kinobetriebe, die bei den Ticketverkäufen insgesamt ein Minus von 18 Prozent hinnehmen müssen. Im Cineplex lag der Rückgang noch höher – bei 23 Prozent. „Im großen Saal mit 600 Plätzen haben uns die Blockbuster gefehlt“, begründet Geiger. Die Neustarts 2018 hätten vor allem in Asien und den USA gut funktioniert – aber nicht hierzulande. Im Rex-Filmpalast dagegen, wo der Hausbesitzer immer wieder in die Infrastruktur investiert, sei der Rückgang im einstelligen Bereich deutlich niedriger. Hier wirke sich die neu errichtete Geiger’s Cinelounge aus. Auch von den Sälen Rex 3 (künftig Geiger’s Black) und 4 (künftig Geiger’s Blue), die nach einer umfassenden Renovierung am Donnerstag kommender Woche eröffnet werden, erhofft er sich einen Schub.

Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) verwies auf Ursachen des Einbruchs: „Die Gründe sind bekannt: Es gab eine Fußball-WM und einen heißen langen Sommer. Das merken die Kinos sofort“, sagte Grütters. Hinzu komme die Konkurrenz durch Streamingdienste.

Selbst von den erfolgreichsten Filmen schaffte es im vergangenen Jahr keiner über die Marke von vier Millionen Besuchern. Das war 2017 noch drei Filmen gelungen. Spitzenreiter war 2018 „Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen“ mit 3,6 Millionen verkauften Tickets vor „Avengers: Infinity War“ (3,4 Millionen) und „Fifty Shades Of Grey – Befreite Lust“ (3,0 Millionen).

Von deutschen Produktionen lockte „Jim Knopf & Lukas der Lokomotivführer“ mit 1,8 Millionen verkauften Tickets die meisten Besucher in die Kinos. Auf Platz zwei ebenfalls ein Kinderfilm: „Die kleine Hexe“ wollten 1,6 Millionen Menschen im Kino sehen. Dahinter landete „Dieses bescheuerte Herz“ mit 1,4 Millionen Besuchern. Der Marktanteil deutscher Produktionen an den Besucherzahlen blieb mit 23,5 Prozent annähernd stabil (2017: 23,9 Prozent).

Die Ticketpreise stiegen 2018 erstmal nicht, nachdem es zuvor 14 Jahren lang ein stetiges Plus gab. Der Eintritt ins Kino kostete im vergangenen Jahr durchschnittlich 8,54 Euro (2017: 8,63 Euro). Auch in Pforzheim haben sich die Preise nach Geigers Angaben  reduziert: im Jahr 2018 auf im Durchschnitt 8,70 Euro (2017: 9 Euro). „Das ist der niedrigste durchschnittliche Eintrittspreis der vergangenen Jahre“, sagte Geiger.

Während die Zahl der Kinobetreiber um sechs auf 1171 zurückging, verzeichnet die Branchenstatistik ein Plus bei Kinosälen und Plätzen. Vor 4849 Leinwänden standen im vergangenen Jahr 795.686 Plätze bereit (2017: 4803 Säle mit 789.279 Sitzen).