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Nicht allein der ausgeglichene, stimmige Gesamtklang machte den „Elias“ in der Pforzheimer Stadtkirche zu einem besonderen Hörgenuss. Foto: Bechtle
Nicht allein der ausgeglichene, stimmige Gesamtklang machte den „Elias“ in der Pforzheimer Stadtkirche zu einem besonderen Hörgenuss. Foto: Bechtle
Heike Hastedt wusste bei ihrem Debüt mit präzisem Dirigat zu überzeugen. Foto: Bechtle
Heike Hastedt wusste bei ihrem Debüt mit präzisem Dirigat zu überzeugen. Foto: Bechtle
21.11.2016

Kirchenmusikdirektorin Heike Hastedt stellt sich mit Mendelssohn vor

Pforzheim. Unter Leitung seiner neuen Kirchenmusikdirektorin Heike Hastedt sang der Oratorienchor Pforzheim am Wochenende an zwei Konzertterminen das große Werk „Elias“ von Felix Mendelssohn Bartholdy. Das Publikum in der evangelischen Stadtkirche Pforzheim war begeistert. Als besonderer Hörgenuss erwies sich der ausgeglichene, stimmige Gesamtklang: Zusammen mit dem Motettenchor und der Jugendkantorei Pforzheim zählte die Aufführung 120 singende Mitwirkende plus Orchester der Württembergischen Philharmonie Reutlingen sowie vier Gesangssolisten.

Ein Feuer, das vom Himmel fällt. Trockenheit und Dürre, in der das Volk auf den erlösenden Regen wartet. Dieses Oratorium ist wie „Kino im Kopf“ und wer sich auf die – vor nunmehr 170 Jahren komponierten – musikalischen Ideen Felix Mendelssohn Bartholdys einlässt, wird belohnt mit der spannenden biblischen Geschichte vom Propheten Elias.

Musikalisch gibt der Chor dabei die ganze Bandbreite der Volksstimmung wieder, was in diesem Pforzheimer „Elias“ großartig gelungen ist. Mal tönt es im aufgeregten Staccato, dass der Herr keine Antwort gibt. Mal versöhnen sich die Gemüter im erhabenen Legato, dass nur Hoffnung und Gewissheit zählen. Hier überzeugten alle Stimmgruppen, von klaren Sopranen, einem sehr warmen, dichten Alt, wunderbar hellen Tenören bis zum stützenden Bass. Gemeinsam mit dem Reutlinger Orchester wurde oben auf der Empore bei der Orgel musiziert. Der festliche Gesamtklang füllte mühelos den Kirchenraum. Heike Hastedt gab mit dem Oratorium ihren künstlerischen Einstand. Diesen Pforzheimer Auftakt meisterte die zuvor in Villingen tätige Kirchenmusikerin bestens. Sie dirigierte sichtbar deutlich und unmissverständlich, auf Konzentration und Präzision bedacht.

Die dramatischen Episoden wurden in ausgewogener Balance hörbar gebracht, sodass etwa der reine Sopran Katrin Müllers als Witwe, die ihren kranken Sohn beklagt, stimmlich sehr deutlich gestalten konnte. Harrie van der Plas gab einen prägnanten Tenor als Obadjah. Die Altistin Ann-Katrin Naidu wirkte hingegen als Königin nur mäßig brutal-herrisch, machte dafür aber als Engel in den solistischen Quartetten alles wieder wett. Vom Feinsten war in Intonation und Gestaltung hier wohl die Nr. 28, das Terzett der Engel, gelungen, das von den Stimmen der Jugendkantorei mit sanft begleitender Orgel umgesetzt wurde. Den bedeutendsten solistischen Part hatte freilich Bassbariton Gary Martin als Elias. Gary Martin überzeugte sowohl mit samtenem Tonfall als gottesfürchtiger Prophet als auch mit kantigen, energischen Zorn in der Stimme, wenn Elias etwa in Arie Nr. 17 all die falschen Priester schlachten lassen will ... Dieser Prophet ist kein einfaches Vorbild. Der Stoff wirft heute angesichts religiöser Intoleranz und Fundamentalismus besondere Fragen auf. Dieser Aspekt ist im begleitenden Programmheft von Pfarrerin Gisela Hahn-Rietberg – sie singt selbst im Oratorienchor mit – in anschaulicher Kürze hervorragend formuliert. Auch in diesem Sinne war dieser „Elias“ mit der Aufführung in der Stadtkirche in den besten Händen.