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Mann an den Reglern: In einer Scheune hat sich Jens Buchert ein Studio eingerichtet. Dort produziert er in einem nachempfundenen Raumschiff-Cockpit seine Chillout- und Ambient-Klänge.  Türschmann
Mann an den Reglern: In einer Scheune hat sich Jens Buchert ein Studio eingerichtet. Dort produziert er in einem nachempfundenen Raumschiff-Cockpit seine Chillout- und Ambient-Klänge. Türschmann
15.03.2019

Klang-Designer Jens Buchert veröffentlicht neues Album

Mühlacker. Jens Bucherts Blick schweift ins Grüne, vor der Scheune streunt eine Katze. Ansonsten: Ruhe. Der Musiker hat sich im beschaulichen Mühlacker-Sengach ein Refugium geschaffen, ganz nach seinem Geschmack. „Ich führe hier ein Eremiten-Leben und genieße das Land“, beschreibt sich der Mann, der es als seine Berufung sieht, elektronische Musik zu produzieren.

„Schreib bitte nicht Lounge“, sagt er. Jener Trend aus den 1990er-Jahren gilt heute in der Branche fast als Schimpfwort. Er selbst gibt seinem Stil den Begriff „electronic deep moods music“.

Unter „Ambient“, „Downbeat“ und „Chillout“ sortieren Plattenläden Bucherts CDs ein. Weil es jedoch kaum mehr welche gibt, ist sein neues Album „Exoplanet“ nur online zu kaufen. Es klingt mit retrospektivem Analog-Sound clubtauglicher als frühere, eher sphärisch-cineastische Produktionen. „Das hat sich so ergeben. Ich hatte Bock, dabei auch alte Synthesizer-Legenden einzusetzen.“ Sie erinnern ihn an seine Lehrjahre als Tontechniker in Frankfurt. Damals musste er die Geräte noch verkabeln. „Ein kreatives Chaos, überall Zeug. Furchtbar“, erzählt der 49-Jährige.

Heute läuft alles am Rechner. Bucherts in der renovierten Scheune errichtetes Tonstudio ist ein aufgeräumter Traum in Weiß. „Ich brauche Struktur, das ist so ein Tick von mir.“ An dem maßgefertigten, einem Raumschiff-Cockpit nachempfundenen Arbeitsplatz fühlt er sich wohl. Beim Komponieren hat er häufig ein grobes Gerüst im Kopf: eine Melodie, ein Synthesizer- oder Percussion-Fragment. Dann arbeitet er daran … Von Sengach aus, wo er mit seiner Partnerin lebt, gleiten die Sounds hinaus in die Welt. Fans wohnen vor allem in den USA, Holland, England und Frankreich.

Etwa 30 Alben hat er bislang veröffentlicht, der Name Buchert taucht auf Samplern wie „Café del Mar“ und „Space Night“ auf. Die elektronischen Produktionen des „Klang-Magiers“, wie er sich auf seiner Internetseite beschreibt, sind gefragt, wurden in unzähligen TV-Dokus verwendet, aber auch bei „Sex and the City“, im „Tatort“ und in brasilianischen Seifenopern. Zur Eröffnung der Pforzheimer Schmuckwelten schuf er einen Soundtrack, komponierte für die Show-Einlagen von Fabergé, Leicht und Gellner, aber auch schon für Autofirmen.

Bei Lufthansa im Programm

Seine Stücke laufen dort, wo Entspannung bisweilen dringend nötig ist: Fluggesellschaften wie Lufthansa, American Airlines und die Emirates nutzen sie in ihren Bordprogrammen. Dabei mag Buchert das Gewusel auf Flughäfen gar nicht. „Ich bin ungern unter Menschen, große Massen sind für mich der Horror.“ Er sei auch kein Mann für die Bühne.

Stattdessen träumt sich Buchert in die Weiten des Weltalls, liest Science-Fiction-Romane, ist fasziniert von den Verfilmungen. Inspirationsquelle Nummer eins ist aber die Natur. „Ich bin Schwarzwald-Fan, er hat was Mystisches“, schwärmt der Musiker. Dort widmet er sich der Natur-Fotografie und dreht Videos. Zum aktuellen Titel „Skyflow“ fängt er stimmungsvolle Nebelschwaden über der Hornisgrinde ein. Im ganzen Land ist er mit Drohne und Kamera unterwegs für „Deutschlandbilder“, jenem Füllprogramm, das nachts in der ARD läuft. Zuvor hatte Buchert bereits für Formate wie „Flowmotion“ und „Hessenbilder“ gearbeitet.

Karrierestart vor bald 25 Jahren

Geprägt haben ihn Bands wie Depeche Mode und Kraftwerk. Schon als Abiturient war ihm klar, von Musik leben zu wollen. Mit Sounds, die die Menschen berühren. Während andere Fußball spielten, saß er am DX7-Synthesizer. Zum Leidwesen der Eltern: „Mein Vater hat mal gesagt: Aus dir wird nie was.“ Er hat sich getäuscht. Seit bald 25 Jahren macht Buchert Musik. Sie ist seine Berufung. Er empfinde Dankbarkeit und Demut. „Ich sehe es als Geschenk, dass ich so leben darf.“