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Das erste Konzert nach der Ära Jürgen Budday als Leiter des Kammerchors mit seinem Nachfolger Benjamim Hartmann.  fotomoment
Das erste Konzert nach der Ära Jürgen Budday als Leiter des Kammerchors mit seinem Nachfolger Benjamim Hartmann. fotomoment
26.09.2016

Klangmagie im Kloster Maulbronn bleibt

Maulbronn. Auch nach dem Wechsel am Dirigentenpult und dem deutlichen Generationenwechsel unter den Sängern ist der Maulbronner Kammerchor mit seinen gut austarierten Sopran- und Altstimmen, Tenören und Bässen in tadellosem Zustand: Ihm gelingt Altes und Neues gleichermaßen, von Felix Mendelssohn Bartholdys „Kyrie“ und „Gloria“ aus dessen Deutscher Liturgie bis zur Komposition „Stars“ für achtstimmigen Chor und sechsstimmigen, von den Sängern an Wasserglas-Rändern mit kreiselnden Fingern gestaltetem „Gläserchor“ des 1977 geborenen Balten Eriks Esenvalds.

Jürgen Buddays jugendlicher Nachfolger Benjamin Hartmann, Maulbronner Seminarist und Schüler Buddays, betonte mit einem Friedrich – Nietzsche-Zitat „das Himmelreich des Wechsels“ und leitete davon die Inhalte seines ersten Maulbronner A-cappella-Programms ab, mit dem er bei den Klosterkonzerten enthusiastischen Beifall auslöste: Geistliche Chöre sowie Chormusik, die den Wechsel der (Jahres-) Zeiten besingt. Hartmanns Maxime: „Kontinuität und Kontrast“.

Für Kontinuität stand die von hoher Gesangskunst geprägte Wiedergabe des vierstimmigen Chores „Im Herbst“ von Johannes Brahms. Pulsierende Melodiebögen und sanftes Legato zeichneten diese herbstlich gestimmten Vokalmusik aus.

Spirituell berührend

Den Kontrast hierzu und auch zu Max Regers spätromantischem Chorsatz „Der Mensch lebt und bestehet nur eine kleine Zeit“ bildeten moderne Chorstücke baltischer Komponisten. Mit schrillen Sopran-Einwürfen wurde das „Motto“ von Ingvar Lidholm chorisch vorgetragen: „Die Zeiten sind immer neu“. Arvo Pärts „Which was the Son of“ zählt wie im Telefonbuch Namen auf, um mit spirituell berührender sanglicher Schönheit in die Zeile „which was the son of God“ zu münden.

In Peteris Vasks „Madrigals“ gelang eine ätherisch strömende Klangmagie. Lautmalerische Poesie erfreute in Veljo Tormis „Herbstlandschaften“. Prächtige Farben bestimmten den Chor „Sagastipean“ von Javier Busto – mal glaubte man hell und frisch singende Kinder zu hören, mal schläfrig-lebenssatte Menschen. Hartmanns Einstand rankte sich musikalisch um Gegenpole – Glück und Schmerz, Melancholie und Euphorie. Auch grelle Dissonanzen und Reibungen blieben nicht aus. Die gehören freilich zu unserer Zeit.