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Ganz entspannter Jazz: Bei freiem Eintritt spielen Lukas Großmann, Lukas Keller, Lukas Diller und Johannes Koch (von links) vor dem „Café Roland“.  Foto: Frommer 

Klasse Konzert, großes Ohrenkino: Lukas Diller Quartett in Pforzheim

Pforzheim. Die Wolken wechseln von hell- zu dunkelgrau. Doch die Musiker des Lukas Diller Quartetts haben ausgesprochenes Glück. Das Wetter hält an diesem Sonntagnachmittag, beide Sets vorm „Café Roland“ kommen ohne Regenschirme aus. Nur die eine oder andere Böe fegt gelegentlich die Notenständer leer. Unmittelbar nach dem Einstiegstitel begrüßt Saxofonist Lukas Diller (29) die Konzertgäste: „Willkommen zurück bei der Live-Musik! Das wird unser erster Auftritt seit Mitte März“, kommentiert er den Corona-Verdruss.

Gemeinsam mit ihm auf der Bühne: Keyboarder Lukas Großmann (27), Bassist Lukas Keller (29) und Schlagzeuger Johannes Koch (27). Diller und Keller haben bereits vor einigen Jahren im Landes-Jugendjazzorchester Bayern gemeinsam musiziert, Grossmann und Koch komplettieren das Quartett während der Studienzeit. Vor etwas mehr als zwei Jahren veröffentlichen die vier jungen Jazzer mit „Capturing“ ihre Debüt-CD. „Ein neues Album“, verrät Diller im weiteren Verlauf des Konzerts, „musste verschoben werden. Verschoben, wie unsere Mongolei-Japan-Tournee“. Knapp 30 abgesagte Termine finden sich auf der Internetseite der Formation. Mit „Melting Point“ folgt eine neue Komposition von Diller – und verfängt sofort beim Publikum. Der intensive, dennoch melodische, mitunter sogar luftig-leichte Titel erhält viel Beifall. Schlagzeuger Koch spielt mit coolem Understatement, streichelt die Felle und Becken nur. Er setzt mit eingestreuten Rim-Clicks überraschende, aber wohldosierte Akzente.

Mediterrane Stimmung

Der Titel „Hidden Bay“, ebenfalls von Diller komponiert, beschreibt eine Bucht in Kroatien. Hier trifft Kellers treibender Kontrabass auf Großmanns Zuckerbäcker-Pianospiel, welches die relaxte mediterrane Grundstimmung zurückbringt. Ein Titel, der die Fantasie selbst bei geöffneten Augen mühelos in allen erdenklichen maritimen Blautönen schwelgen lässt. Mit dem zeitlos schönen Jazzstandard „How Deep Is The Ocean?“ und kräftigem Applaus schließt das Lukas Diller Quartett die erste Konzerthälfte ab.

Im zweiten Set zählen die Titel „Hana“ von Bassist Keller komponiert und „Ballade 1 und 1“ von Diller zu den Glanzlichtern. „Eigentlich hat das Stück noch keinen richtigen Namen“, verrät er zum numerischen Arbeitstitel. Der Titel ist heiter, das vielseitige Nord Stage 3 klingt hier fast wie ein Glockenspiel, der Bass bestimmt und Dillers Altsaxofon, sonst stets rau und voller Wärme gespielt, klingt hier für einen Moment, als hätte es buchstäblich Kammerflimmern. Klasse Konzert. Großes Ohrenkino.