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Virtuoser Organist: Jan Mroczek in Pforzheim. Foto: Roller
Virtuoser Organist: Jan Mroczek in Pforzheim. Foto: Roller
22.08.2017

Klassik und ein Hauch von Rock: Jan Mroczek begeistert mit französischer Musik

Dafür, dass es beim Konzert mit dem Organisten Jan Mroczek am besten ist, die Augen zu schließen und sie erst am Ende wieder aufzumachen, gibt es gleich zwei gute Gründe: Zum einen sieht man den Organisten sowieso nicht, weil er hinter dem Publikum auf der Empore sitzt.

Und zum anderen kann man auf diese Weise die klangliche Fülle der musikalischen Darbietung noch intensiver erleben. Bei seinem Auftritt in der Pforzheimer Sankt-Franziskus-Kirche kredenzt Mroczek seinen Zuhörern vor allem symphonische, französische Musik. Schon ein Blick auf den Programmzettel macht deutlich, dass an diesem Abend etwas Einzigartiges geboten wird – und zwar Stücke, die man selten zu hören bekommt. Etwa die Variationen, die der Franzose Jehan Alain über die Melodie des von Papst Gregor verfassten Hymnus „Lucis Creator“ komponiert hat. Für Mroczek scheint das impressionistisch gefärbte Stück der ideale Einstieg zu sein, verlangt seine Aufführung doch viel Detailgenauigkeit und Präzision. Finster und fast schon bedrohlich wirkt der erste Satz des Allegro maestoso aus der dritten Symphonie fis-Moll (op. 28) von Louis Vierne. In dunklem Moll komponiert, lässt Mroczek mit zupackender Spielweise bei diesem monumental angelegten Stück den Boden der Sankt-Franziskus-Kirche erzittern.

Ausgezeichneter Kontrast

Ein schöner Kontrast zu dieser vergleichsweise wuchtigen Komposition: der romantisch anmutende Choral varie aus Mieczyslaw Surzynskis „Elegia“. Eine gute Gelegenheit zum Durchschnaufen, bevor es weitergeht mit Meditativ-Ernstem mit César Francks „Prière“. Mroczek hat die Orgel der Sankt-Franziskus-Kirche fest im Griff, entlockt ihr auch feinste Nuancen. Bei dem Instrument handelt es sich übrigens um ein Fabrikat der renommierten Orgelbauwerkstätte Steinmeyer in Oettingen, eingeweiht im Jahr 1948 und danach immer wieder erneuert. Mroczek spielt sie stellenweise fast so, als sei sie ein Klavier. Brillant gelingen ihm die Introduction und das Scherzo aus Pierre Cochereaus „Tryptique sur deux themes“. Rasant geht es durch harmonische Labyrinthe, souverän wird improvisiert, ohne dabei die Orientierung zu verlieren. Das Publikum staunt. Das Spiel des aus Polen stammenden Organisten ist derart farbenreich, dass es fast so klingt, als stehe ein ganzes Orchester auf der Empore. In Pforzheim beschließt er sein Konzert mit Thierry Escaichs „Evocation II“, einem Stück mit starkem Bass auf der einen und grellen Farben auf der anderen Seite. Es klingt fast wie orgelgerechte Rockmusik. Und das Publikum spendete tosenden Applaus.