760_0900_101536_DER_MANN_VON_LA_MANCHA_03.jpg
Launige, verspielte Gruppenszenen bereichern die Inszenierung.  Foto: Thom 
760_0900_101537_DER_MANN_VON_LA_MANCHA_05.jpg
Stimmig: das Bühnenbild von Christian Held.  Foto: Thom 
760_0900_101538_DER_MANN_VON_LA_MANCHA_01.jpg
Mit Rüstung, Lanze und Ziegenbärtchen: Frank Winkels in der Hauptrolle.  Foto: Thom 

Klassischer Stoff in leichtem Gewand: „Der Mann von La Mancha“ bei den Ettlinger Schlossfestspielen

Ettlingen. Skurril und eigenwillig, erfüllt von heroisch-närrischen Taten: Man kennt den von Miguel de Cervantes erfundenen „Ritter von der traurigen Gestalt“ als Archetypen der Weltliteratur, wie Goethes „Faust“ und Shakespeares „Hamlet“. Die von Felix Seiler für Ettlingen inszenierte Musical-Fassung des „Don Quixote“ präsentiert den klassischen Stoff im leichten Gewand, behält die Struktur der 1965 am Broadway uraufgeführten Dale-Wasserman-Version weitgehend bei und bietet ein handwerklich solide gemachtes, unterhaltsames Bühnenspektakel.

Wassermans Kunstgriff, den angeblich von der Inquisition verfolgten und ins Gefängnis geworfenen Dichter Cervantes selbst als epischen Spielleiter agieren zu lassen, der sein Don-Quixote-Manuskript zusammen mit den Knast-Genossen theatralisch turbulent als Spiel im Spiel in Szene setzt, ermöglicht eine groteske Komödie, die von den Ettlinger Mimen und Sängern mit schwerelosem Humor ausgespielt wird.

Unter tätiger Mithilfe des versammelten Typenarsenals erweckt der Autor seinen Romanhelden zu neuem Leben – indem er selbst die Hauptrolle, eben die des bizarren Ritters, Gerechtigkeitsfanatikers und Frauenverehrers übernimmt. In Ettlingen ist Frank Winkels diese verdoppelte Heldenfigur. Mit Rüstung, Lanze, Ziegenbärtchen und knorrigem Charme kämpft er unverdrossen für die Ehre seiner auserwählten Dame, die eigentlich nur die von dem Schenken- und Kerker-Gesindel missbrauchte Hure Aldonza ist. Der volle, eingängige Ton seines mehrfach wiederholten Leitmotiv-Songs gibt sich selbstbewusst: „Ich bin ich, Don Quixote“. Auch lyrische Zartheit steht ihm zu Gebot, wenn er Aldonza als Troubadour in seine Prinzessin Dulcinea verwandelt oder beim Ritterschwur seine unmöglichen Fantastereien sanglich ausbreitet.

Sören Ergangs Sancho Panza steht dem Ritter mit gewinnender Heiterkeit zur Seite, seine helfende Absicht zeigt sich in liebenswürdiger Naivität und kulminiert in dem Lied „Ich mag ihn“. Als abgerissene Hure Aldonza wirbelt Dalma Viczina zwischen den verluderten Männern. Sie beherrscht den schrill-aggressiven Musical-Sound aus dem FF, aber auch sehr weiche, verführerische Klangverzauberungen.

Launige, verspielte Gruppen- und Chorszenen bereichern die Inszenierung – wenn beispielsweise die Nichte Antonia (Valentina Inzko Fink), die knödelnd singende Haushälterin (Katja Brauneis) und der feinsinnige Padre (Dominik Doll) gemeinsam versuchen, Quixote beschwörend zur Vernunft zu bringen. Oder wenn unter der Ägide des Gefängnisaufsehers (Tobias Rusnak als Herzog), des Schankwirts (Raphael Dörr) und des Anführers Pedro (Marc Trojan) die Maultiertreiber ihr lustiges Aldonza-Spottlied „Kleiner Fink, kleiner Fink“ anstimmen.

Die kleine, von Adrian Sieber – der auch die Arrangements besorgt hat – geleitete Band intoniert Mitch Leighs Musik sehr zuverlässig. Freilich hätte manche Musical-Nummer fetziger, opulenter und zupackender musiziert werden können.