760_0900_107624_Ausstellung_Winfried_Krueger.jpg
Geschenk für Ausstellungskurator David Fischer. Winfried Krüger hat aus einem gegossenen Topfputzer und Steinen eine Brosche gestaltet.  Foto: Moritz 
760_0900_107628_L760_S3595483_C14.jpg
Brosche (1968) mit traditionellen Steingravuren.  Foto: David Gabriel Fischer 
760_0900_107627_L760_S3595483_C12.jpg
Stück zum Thema „Abwehr“ (1990) mit dem Ernte-Werkzeug eines Traktors.  Foto: David Gabriel Fischer 
760_0900_107625_L760_S3595483_C15.jpg
„Flugkörper“ (1988) aus Silber und Alabastergips.  Foto: David Gabriel Fischer 
760_0900_107626_L760_S3595483_C13.jpg
Aktuelle Arbeit (2019): eine Ansammlung geklebter Kugeln als Halsschmuck.  Foto: David Gabriel Fischer 

„Kleben ist besser als löten“: Schütt-Ausstellung huldigt Winfried Krüger

Pforzheim. Eisschieber, Topfputzer, Abrissringe, Versatzstücke eines Zauns, zertretene Korken, überfahrene Blechdosen – vor Winfried Krügers gestalterischen Händen ist so gut wie nichts sicher. Zu bewundern ist das in der Ausstellung „Über die Jahre“ im Schmuck- und Edelsteinunternehmen Schütt, die heute um 19 Uhr eröffnet wird, in Kooperation mit Krügers Karlsruher Galerie Spektrum. Die Schau zeigt das Werk eines „Schaffers“ aus mehr als 50 Jahren – zumeist unkonventionelle, großformatige Broschen. Erstmals sind auch seine Mal-Tagebücher zu sehen.

Krüger nimmt Objekte seiner Umgebung auf, fasst an, begreift und verarbeitet weiter. So entdeckt er das Geheimnisvolle im Bekannten – oder das Banale im Kostbaren. Dabei hat er Anfang der 1960er-Jahre in Pforzheim eigentlich eine Ausbildung zum Juwelengoldschmied absolviert. „Für mich galt es, das möglichst schnell zu vergessen. Diese Glitzerdinger des Salonschmucks waren nie meins“, blickt der 75-Jährige zurück. Zudem sei er der Ansicht, dass kleben häufig besser ist als löten. Auch das prägt seine Arbeiten. Ein Studium an der Kunst- und Werkschule Pforzheim bei Reinhold Reiling schloss er nahezu nahtlos an. „Ich wollte kein Routinier werden – mich nicht verlieren in der Perfektion, sondern Urzeichen setzen.“ Er sei ein schnell und spontan arbeitender, „schludriger Schmuckfuzzi“.

Und der hat es weit gebracht: Krüger gilt als einer der einflussreichsten Wegbereiter zeitgenössischen Autorenschmucks und ist mit seinen Arbeiten in namhaften Museen, Galerien und privaten Sammlungen vertreten – auch wenn er selbst ihn lieber getragen sehen würde, wie er sagt. Als Lehrer am Berufskolleg der Goldschmiedeschule Pforzheim prägte er 22 Jahre lang junge Kreative. Eigentlich hat es Krüger nicht gedrängt, nach der Ausstellung im Schmuckmuseum 2014 noch einmal an die Öffentlichkeit zu gehen. Dann kamen – man kennt sich in Pforzheim – David Fischer und Katrin Feulner von Schütt zum Kaffee zu Besuch. „Das Haus ist voll schöner, fein gestalteter Dinge“, schwärmt Fischer. Ganz erfüllt seien sie wieder aufgebrochen – samt der Idee, eine Ausstellung zu kuratieren. Auch um mehr Leben und frisches Publikum ins Traditionshaus Schütt zu locken.

INFO:

Die Schau „Über die Jahre“ ist bis 21. Dezember zu sehen bei Schütt, Goldschmiedeschulstraße 6 in Pforzheim. Dienstag bis Freitag 10 bis 17 Uhr, Samstag 10 bis 15 Uhr.