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„Blattrand“ heißt das Programm des schweizerischen Künstlerduos „Ohne Rolf“. Gesprochen wird von Christof (rechts) und Jonas nicht, sondern über bedruckte Plakate kommuniziert. Foto: Seibel
„Blattrand“ heißt das Programm des schweizerischen Künstlerduos „Ohne Rolf“. Gesprochen wird von Christof (rechts) und Jonas nicht, sondern über bedruckte Plakate kommuniziert. Foto: Seibel
12.03.2018

Kleinkunstduo „Ohne Rolf“ begeistert im Kulturhaus Osterfeld

Pforzheim. Die Eskalation bahnt sich ganz langsam an. Sachlich knapp und prägnant sind die Dialoge des Schweizer Kleinkunstduos „Ohne Rolf“. Zunächst. Doch bald schon hat sich die Bühne im Kulturhaus Osterfeld in ein Schlachtfeld aus Papier verwandelt, flächendeckend zerknüllte Texte und zerrissene Blätter. Auf dem Weg dorthin wird nicht viel gesprochen. Im Gegenteil, während das Publikum laut lachend für die akustische Untermalung sorgt, hauen sich Christof und Jonas die Wörter nur als Druckwerke, gewissermaßen schwarz auf weiß, um die Ohren. Ein Blatt nach dem anderen.

Preisgekrönte Kleinkünstler

„Das ist nun mal unser Schicksal“, bescheiden die beiden mehrfach preisgekrönten Kleinkünstler und fügen sich. Dabei fesseln und verblüffen sie ihre Zuschauer umso mehr, je weiter die Show voranschreitet. Rund 1000 beschriftete Plakate haben die beiden dabei und folgen einer für Außenstehende kaum nachvollziehbaren Choreographie, die einen ersten Höhepunkt nach einer Slapstickeinlage erfährt, in der die Drucke scheinbar unglücklich durcheinanderwirbeln.

An Selbsterkenntnis mangelt es nicht. „Wir führen ein ausgesprochen vorgedrucktes Leben“, analysieren die beiden schonungslos. Und bei aller Sympathie; diese gilt offenbar nicht für beide Seiten. Das „suspekte Publikum“ löst Unruhe auf der Bühne aus, weil: es spricht. Gleichzeitig sitzt es „so geordnet“ da, „freundlich guckend. Sind wir in eine Falle geraten?“ Dieser Frage gilt es nachzugehen, und die beiden schrecken auch nicht davor zurück, die Gedanken der Gekommenen mit dem Klingelbeutel einzufangen. Der Irrsinn nimmt seinen Lauf, und mit fortschreitender Dauer ist kaum mehr zu überblicken, nach welchem Muster die rasant-stakkatohaften Dialoge auf bedruckten Papieren erfolgen, die Verwirrung nimmt zu. Nicht nur im Publikum, auch auf der Bühne scheint die Ordnung endgültig aus den Fugen geraten zu sein, als die beiden Protagonisten im Traum tatsächlich zur Stimme finden und einen Gaga-Rap von der Bühne rumsen.

Das Finale steht bevor, ein spontan Auserkorener aus der Audienz kommt hinzu, gliedert sich naht- und reibungslos ein ins Plakatespektakel, einmal mehr ist das Publikum verblüfft, fertig, ab aus. Lauter Applaus!