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Für Helge Achenbach sind die Jetset- Zeiten vorbei.
Für Helge Achenbach sind die Jetset- Zeiten vorbei. © Endemann
22.12.2015

Kloputzen statt Champagner – Achenbach richtet sich im Knast ein

Düsseldorf. Sechs Jahre Gefängnis, Millionen Euro Schadensersatz, das Firmenimperium zerstört, 2400 Kunstwerke zwangsversteigert: Das Jahr 2015 dürfte für den Kunstberater Helge Achenbach das schwärzeste in seinem Leben gewesen sein. Schon seit Juni 2014 sitzt der einstige Strippenzieher der Kunstszene im Essener Untersuchungsgefängnis.

In einem der spektakulärsten Prozesse der deutschen Kunstszene verurteilte das Landgericht Essen ihn im März 2015 zu sechs Jahren Haft. Er habe seinen Duzfreund, den 2012 gestorbenen Aldi-Erben Berthold Albrecht, bei Kunst- und Oldtimer-Deals um rund 20 Millionen Euro betrogen. Ein Teilgeständnis unter Tränen und reuige Entschuldigungen halfen nicht viel. „Auch Superreiche sind kein Freiwild“, sagte Richter Johannes Hidding. Die Revisionsprüfung des Urteil durch den Bundesgerichtshof steht noch aus.

Der kumpelhafte Achenbach (63), zu dessen Partys sich die Düsseldorfer Society immer gern einladen ließ, ist aber so leicht nicht unterzukriegen. Im Knast richtete er sich inzwischen ein. Er ist Essensträger und Sportwart, wäscht Trikots, putzt Duschen und Toiletten, singt im Chor und lernt malen. „Ich bin der Gefangene Nr. 1“, zitiert ihn seine Frau Dorothee Achenbach.

Doch der Fall Achenbach ist noch nicht ausgestanden. Insolvenzverwalter und Gerichte haben weiter viel zu tun. Umstritten ist etwa, wer Anspruch auf Achenbachs gepfändeten Anteil an der renommierten Kunstsammlung Rheingold hat. Dorothee Achenbach versuchte unterdessen vergeblich, vor Gericht ein durch die Aldi-Erben gepfändetes Nagelbild von Günther Uecker im Wert von einer halben Million Euro zurückzubekommen. Das Urteil will sie nicht hinnehmen.

Die Albrecht-Familie wiederum fordert vom Ehepaar Achenbach in einer weiteren Klage, die im Februar vor Gericht verhandelt werden soll, fast eine Million Euro aus dem Verkauf von vier Skulpturen des Künstlers Juan Muñoz zurück. Das sind praktisch „Peanuts“ im Vergleich zu der Schadensersatzforderung der Erben von insgesamt 24 Millionen Euro. Nur ein kleiner Trost dürfte für Achenbach sein, dass sich ein Vergleich abzeichnet: Möglicherweise soll er „nur“ noch 15 Millionen zahlen.

Dass das Geld in dieser Höhe auch fließen wird, bezweifeln die Anwälte. 166 Euro verdiene Achenbach im Monat im Knast – von denen 86 Euro sofort gepfändet würden, schreibt seine Frau. Ihr Mann schmiedet derweil Pläne für die Zukunft: „Mich abzuschreiben, das wäre falsch – ich komme schon zurück“, sagte er im Knast-Interview.