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Darüber lachte die Republik: Original-Karikaturen rund um Friedrich Eberts Wirken in der Weimarer Zeit. PZ-Archiv
Darüber lachte die Republik: Original-Karikaturen rund um Friedrich Eberts Wirken in der Weimarer Zeit. PZ-Archiv
19.10.2015

Knittlinger Faust-Archiv zeigt Friedrich Ebert in der Karikatur

Knittlingen. Auch nach „Charlie Hebdo“ bleibt Kurt Tucholskys Diktum „Karikatur darf alles“ richtig – obwohl die Folgen manchmal katastrophal sind. Der in den November-Wirren 1918 am Ende des 1. Weltkriegs in das Amt eines Reichspräsidenten gedrängte Sozialdemokrat Friedrich Ebert gilt unter Historikern als Opfer einer beispiellosen Schmutzkampagne deutschnationaler und kommunistischer Publizisten, die ihn bis zu seinem frühen Tod 1925 begleitete.

Daran hatten auch Karikaturen einen maßgeblichen Anteil.Am 16. Juli 1919 besuchte Ebert zusammen mit Reichswehrminister Gustav Noske ein Kinderheim in Haffkrug und ließ sich beim Baden in der Ostsee fotografieren. Am 21. August 1919, an dem Ebert als Reichspräsident auf die Weimarer Verfassung vereidigt wurde, machte die Berliner Illustrierte Zeitung mit dem Foto auf, das Ebert in unvorteilhafter Badehose im Wasser stehend zeigt. Dieses Bild löste einen Skandal aus, weil das Staatsoberhaupt angeblich würdelos posierte, und wurde so oft karikiert, bis das Badehosen-Motiv zur Ikone einer republikfeindlichen, bösartig hasserfüllten Polemik wurde. Schließlich tauchten Zeichnungen auf, die Ebert als fettes Schwein darstellten.

Die eindrucksvolle, im Knittlinger Faust-Archiv präsentierte Sonderausstellung der Friedrich-Ebert-Gedenkstätte Heidelberg mit dem etwas verharmlosenden Titel „Darüber lacht die Republik – Friedrich Ebert und ,seine‘ Reichskanzler in der Karikatur“ dokumentiert diesen Vorgang anhand von Original-Karikaturen, informativen Collagen und Installationen. Dazu werden andere Aspekte zur Person und Politik Eberts und der von ihm ernannten Reichskanzler behandelt, die als gezeichnete Satire ihren Niederschlag gefunden haben. Da sitzt der Reichspräsident als „Ersatzkaiser“ auf einem Plüschsessel-Thron, statt mit den kaiserlichen Insignien Zepter und Reichsapfel mit Regenschirm und Kürbis. Auch Nachdenkliches und Spöttisches ist zu sehen, etwa ein Cover der Zeitschrift „Simplicissimus“, auf dem Karikaturist Th. Th. Heine Präsident und Kanzlerkadidaten auf ein „Reichskarussell“ setzt und sarkastisch mit den Worten „Es geht vorwärts“ kommentiert. ul

Die Ausstellung im Knittlinger Faust-Archiv ist bis 12. Dezember geöffnet. Öffnungszeiten: Dienstag bis Donnerstag von 13.30 bis 17 Uhr, Freitag von 9.30 bis 12 Uhr und Sonntag von 13.30 bis 18 Uhr.