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Ein Mann betrachtet in der Ausstellung „Von Dürer bis van Gogh“ die Bilder von Alfred Sisley „Die Brücke von Hampton Court“ (links) und „Regatta in Hampton Court“. Berg
Ein Mann betrachtet in der Ausstellung „Von Dürer bis van Gogh“ die Bilder von Alfred Sisley „Die Brücke von Hampton Court“ (links) und „Regatta in Hampton Court“. Berg
28.09.2016

Köln trifft Zürich: Sammlung Bührle im Wallraf-Museum zu Gast

Im Jahr 1874 besuchte der Impressionist Alfred Sisley das Schloss Hampton Court bei London, damals wie heute eine Touristenattraktion. Er malte zwei Bilder im gleichen Format: „Die Brücke von Hampton Court“ und „Regatta in Hampton Court“. Das erste gehört heute dem Wallraf-Richartz-Museum in Köln, das zweite befindet sich in der Privatsammlung E.G. Bührle in Zürich.

Bis zum 29. Januar kann man beide Bilder nebeneinander betrachten – und feststellen, dass die „Regatta“ trotz aller Gemeinsamkeiten viel freier angelegt ist als die „Brücke“.

Solche Beobachtungen lassen sich bei vielen Bilder-Paaren und Dreier-Kombinationen in der Ausstellung „Von Dürer bis van Gogh“ machen. Das Wallraf-Richartz-Museum in Köln führt darin 64 ausgesuchte Bilder aus der Bührle-Sammlung und dem eigenen Bestand zusammen. Zu sehen sind unter anderem Werke von Delacroix, Pissarro, Gauguin und van Gogh.

Wie die Malerei des französischen Impressionismus und Nach-Impressionismus im Zentrum der Bührle-Sammlung steht, so liegt auf ihr auch in der Kölner Kollektion ein besonderer Schwerpunkt. Und so, wie der in Pforzheim geborene Bührle erspürte, diese Werke in ein Ensemble französischer Kunst des 19. Jahrhunderts einzubetten, die den Impressionismus vorbereitet oder ihn begleitet hat, so wird auch in der Domstadt die Kunst des Impressionismus flankiert von der französischen Kunst des 19. Jahrhunderts, Gemälden der Romantik und des Realismus.

Hier wie dort umreißen die Sammlungen ein weites, dabei inhaltlich ähnlich gefasstes Feld der Kunstgeschichte; entsprechend stand man sich auch mit gleichen Interessen am Kunstmarkt gegenüber, wie sich der damalige Wallraf-Direktor Leopold Reidemeister erinnerte. Wobei dem Museumsdirektor die finanziell weiterreichenden Möglichkeiten Bührles deutlich bewusst waren: „Wir hatten uns daran gewöhnt, dass Emil Bührle große Preise anlegte, um französische Impressionisten zu kaufen, eine Tatsache, die uns als deutsche Museumsdirektoren insofern nicht berührte, als wir auf diesem Gebiet sowieso kaum konkurrieren konnten.“ Entsprechend groß war Reidemeisters Stolz, als man in Köln „mit dem Ankauf der ,Brücke von Hampton Court’ von Sisley in direkten Wettbewerb mit einem Bild Sisleys seiner Sammlung treten konnte.“