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Symbolträchtiger Blick durch einen Bilderrahmen: Kabarettist Jürgen Becker spart nicht mit Seitenhieben auf Kunst, Künstler und Religion.  Frommer
Symbolträchtiger Blick durch einen Bilderrahmen: Kabarettist Jürgen Becker spart nicht mit Seitenhieben auf Kunst, Künstler und Religion. Frommer
25.01.2016

Kölner Kabarettist Jürgen Becker im Kulturhaus Osterfeld

Humorvoll und pointiert: Mit seinem satirischen Parforceritt durch Kunst, Religion, Zeitgeschehen und Kleinkunst verblüffte und begeisterte der versierte Kölner Kabarettist Jürgen Becker das Osterfeld-Publikum gleichermaßen. Sein Solo-Gastspiel mit dem Titel „Der Künstler ist anwesend“ vermittelte auf höchst unterhaltsame Weise profundes Wissen, rheinländischen Mutterwitz und überraschende Parallelen.

Zum Einstieg in das abendfüllende Programm am Samstag zeigte Jürgen Becker (56) eine Kopie des berühmten Ölgemäldes „Die Jungfrau Maria züchtigt den Jesusknaben“ von Max Ernst. Bei seiner ersten Präsentation 1926 in Paris sorgte das Bild für einen Skandal. In Köln waren die Reaktionen, so berichtete Becker im Kulturhaus Osterfeld, noch heftiger: Der amtierende Erzbischof erzwang mit dem Vorwurf der „Gotteslästerung“ die Schließung der Ausstellung. „Der aus dem benachbarten Brühl stammende Max Ernst wurde aus der katholischen Kirche ausgeschlossen“, lässt Becker diesen Teil der Kunstgeschichte Revue passieren – und gelangte mit dem Hinweis, so lange liege ein von der Kurie initiiertes Vorgehen gegen Kunst und Künstler ja auch in Europa nicht zurück, schlagartig ins Hier und Jetzt. Mohammed-Karikaturen und der Mordanschlag auf Redaktionsmitglieder von „Charlie Hebdo“ standen plötzlich unausgesprochen im Raum. Doch an anderer Stelle legte Becker vieldeutig nach: „Der Islam hat keine Perspektive. Es darf nichts bildhaft dargestellt werden“.

Motto: Satire muss schmerzen

Beckers Auftritt sparte nicht mit Seitenhieben auf Kunst, Künstler, Köln und Religion. Hier zwei, drei Kostproben seiner bissigen Kommentare: „Frauen sehen bei Michelangelo aus wie bulgarische Kugelstoßerinnen“. Oder: „Gott und Dieter Bohlen darf man nicht vergleichen! Gott weiß, dass er nicht Dieter Bohlen ist“. Und: „In Chartres haben sie den falschen Turm geliefert. In Köln den falschen Kardinal.“

Sein Fazit verkündete Jürgen Becker noch vor der Zugabe: „Kunst hält länger als Religion“. Obwohl sie, so der Kabarettist und WDR-Moderator weiter, von der Religion die Karnevalisierung gelernt habe – anders sei die Präsentation von Kloschüsseln oder Sperrmülltrennung auf einer Vernissage nicht zu erklären.