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Glänzt mit stilsicherer Phrasierungskunst: Nikolaus Friedrich.  Foto: Moritz 
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Stimmungsvoll-schöner Saisonstart für das Südwestdeutsche Kammerorchester im Königlichen Kurtheater Bad Wildbad.  Foto: Moritz 

Königliche Glücksmomente: Südwestdeutsches Kammerorchester spielt „Mozart Royal" in Bad Wildbad

Bad Wildbad. Es gibt Augenblicke überirdischer Schönheit. In Mannheim verliebte sich Wolfgang Amadeus Mozart auf seiner zweiten Pariser Reise nicht nur in Aloysia Weber, eine Schwester seiner späteren Frau Konstanze, sondern auch in die Bassettklarinette, die tiefer, sonorer und im Tonumfang größer ist als heutige Konzertklarinetten. Über das neuartige, in der Mannheimer Hofkapelle genutzte Instrument schrieb er an seinen Vater nach Salzburg: „Ach, wenn wir nur Clarinetti hätten. Sie glauben nicht, was eine Sinfonie mit Clarinetten für einen herrlichen Effekt macht.“

Schöner Saisonbeginn fürs Südwestdeutsche Kammerorchester Pforzheim: Im Wildbader Königlichen Kurtheater durfte ein glückliches Publikum beim Konzert „Mozart Royal“ mit dem SWDKO und dem – sinnigerweise aus Mannheim angereisten – Solo-Klarinettisten Nikolaus Friedrich diesen „Effekt“ erleben. Hier redete und sang das geliebte Sehnsuchtsinstrument in Mozarts Klarinettenkonzert (KV 622) wie ein Mensch.

Einfühlsam umspielt

In den schnellen Allegro-Ecksätzen glänzte Friedrich, einfühlsam vom Kammerorchester umspielt, mit stilsicherer Phrasierungskunst und melodischer Intensität, in den Läufen mit virtuoser Bravour. Verhalten der Ton im berühmten „Adagio“, das alle Welt als Ohrwurm-Olymp kennt. Aber nie oder zumindest äußerst selten hört man die Wiederholung der Klarinetten-Kantilene mit diesem herrlich gehauchten Pianissimo, mit diesem weichen, dunkel-sinnlichen Timbre, wie sie nur ein Ausnahme-Interpret wie Friedrich auf der originalen Bassettklarinette zelebrieren kann. Im Kurtheater hielten die Zuhörer den Atem an.

Insgesamt sorgte das durch Bläser verstärkte Pforzheimer Ensemble unter der Leitung seines blendend aufgelegten Chefs Douglas Bostock für ein heiteres Mozart-Konzert, zu dem auch das wunderschöne Theater-Ambiente und die spätsommerliche Nachmittagsatmosphäre einen gehörigen Beitrag leisteten. Bostock formte am Dirigentenpult Mozarts frühe B-Dur-Sinfonie (KV 319) mit flexibler Klanggestaltung zu einem Stück unterhaltsamer, kurpromenadentauglicher Musik.

Pantomimischer Dirigent

Schmeichelnde Streicher und musikantisch verspielte Bläser-Passagen sorgten für eine Fröhlichkeit, die sich nicht zuletzt in der ausgelassenen Dirigenten-Pantomimik zeigte, die alle Möglichkeiten witziger Darstellung nutzte. Mozarts Ouvertüre zur Oper „La finta semplice“ (KV 51) und seine kurze Sinfonia in D-Dur (KV 207 A) umrahmten die beiden Hauptwerke der Hommage an den Wiener Klassiker mit spritzigen Melodien. Kann ein Konzert schöner sein?