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Abdelkarim kann sich mühelos zwischen den Sterotypen bewegen. Foto: Frommer
Abdelkarim kann sich mühelos zwischen den Sterotypen bewegen. Foto: Frommer
19.05.2017

Komiker Abdelkarim begeistert Publikum mit schwarzem Humor

Pforzheim. Rabenschwarzer Humor: Die NSU sei „ein Zaubertrick“, sagt der deutsch-marokkanische Komiker Abdelkarim im Kulturhaus Osterfeld – und reißt seine Augen noch ein gewaltiges Stück weiter auf: „Da sind ganz viele Akten und Menschen verschwunden“. Seine nächste kabarettistische Breitseite geht an die Politik: „51 Prozent für Erdogan“, das sei wie „Real Madrid schlägt Hansa Rostock 5 zu 4“. Und: „Heiko Maas, wer ihn nicht kennt, der sieht aus wie ein hochbegabtes Kind“. Die Lacher im Saal hat Abdelkarim immer auf seiner Seite.

Zur eigenen Bühnenpräsenz meint der 30-jährige Kabarettist aus Bielefeld selbstironisch, er sei ein „Marokkaner mit der Garderobe eines Russen“. Und zu seinem „Terroristen-Vollbart“ scherzt er immer wieder gerne: „Ich darf das, ich hab’ nichts zu verlieren.“ Er ist sich bewusst: Während Deutsche, wegen ihres spärlichen Bartwuchses nie gefährlich aussehen könnten, sehe sein Bart immer aus „wie frisch aus den Nachrichten“.

Beim übergeordneten Thema Behaarung fällt ihm scheinbar spontan sein türkischer Freund Ali aus den Tagen in der „Bielefelder Bronx“ wieder ein, der brauche „zum Duschen kein Shampoo, sondern Teppichbodenreiniger“. Das Publikum feiert den Gag ausgiebig.

Leise wird es hingegen im großen Osterfeld-Saal, als Abdelkarim unvermittelt die Frage stellt: „Wie lautet die Mehrzahl von Couch?“ Nach einer gewissen Anlaufzeit meldet sich dann doch noch eine männliche Stimme aus den Zuschauerreihen: „Sofas?“ Ähnlich still wird es im Publikum nur noch, als der 35-jährige Kabarettist und Fernsehmoderator standortgerecht festhält: „Die AfD ist ja in Pforzheim nicht ganz unbekannt.“

Spiel mit der eigenen Herkunft

Abdelkarims neues Soloprogramm „Staatsfreund Nr. 1“ setzt das bewährte kabarettistische Spiel mit dem eigenen Migrationshintergrund und mit den Vorbehalten, die unsere Gesellschaft für Ausländer bereithält, munter fort. Genüsslich hält er allen Beteiligten den Spiegel vor die Augen. Das Beste daran: Statt bloßem Schwarz-Weiß hat er auch Zwischentöne in seinem Programm. Eine Kostprobe zur Integration: Einen Flüchtling lässt Abdelkarim sagen: „Ich mach’ alle Arbeiten, aber ich arbeite nicht mit Türken“. Genüsslich und treffsicher fügt der Komiker mit breitem Grinsen hinzu: „Der Hammer, nach drei Monaten schon voll integriert!“