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Freuen sich auf die Filmreihe: Martin Koch, Doris Allisat, Winfried Thein und Sebastian Hilscher (von links) vom Kommunalen Kino. Foto: Ketterl
Freuen sich auf die Filmreihe: Martin Koch, Doris Allisat, Winfried Thein und Sebastian Hilscher (von links) vom Kommunalen Kino. Foto: Ketterl
12.09.2018

Kommunales Kino startet Zyklus von zehn Filmen, die den Mythos 1968 ergründen

Pforzheim. Linksgerichtete Studentenproteste und afroamerikanische Bürgerrechtsbewegungen, Widerstand gegen den Vietnam-Krieg und „Prager Frühling“: 1968 – das Jahr ist heute ein Synonym für zahlreiche Ereignisse rund um den Globus.

Mit der Reihe „Mythos 1968“ widmet sich das Kommunale Kino am Schloßberg dem 50. Revolutionsjahr und zeigt zehn Filme verschiedener Genres in drei Monaten. Es sind nicht nur Streifen aus der damaligen Zeit, sondern auch aktuelle Produktionen, die sich mit ihr auseinandersetzen. Den Auftakt macht am Sonntag um 19 Uhr ein Klassiker, Stanley Kubricks SciFi-Meilenstein „2001: Odyssee im Weltraum“.

Der Clou der Reihe: Immer im Anschluss an die Filme können die KoKi-Besucher ihren Diskussionsdurst mit namhaften Buchautoren, Regisseuren und Zeitzeugen stillen. Zum Beispiel Felix Moeller, der als Stiefsohn von Volker Schlöndorff und Margarethe von Trottas Sohn „spannende Dinge erzählen kann“, wie die Planer hoffen. Er kommt am 10. Oktober zu seinem Film „Sympathisanten – unser Deutscher Herbst“. Der Pforzheimer Zeitzeuge Hardy Wagner, ehemaliger Leiter des Stadtjugendrings, hat einst lange in Berlin gelebt und kennt auch die Frau von Rudi Dutschke. Er spricht am 26. September zum „Baader-Keinhof-Komplex“.

Berlinale-Chef Dieter Kosslick habe als Gast zwar keine Zeit gehabt, jedoch das Kurzfilmprogramm „1968 – Rote Fahnen für alle“ vermittelt (7. November), das bereits im Rahmen des Filmfestivals lief. Die Programmräte, so Winfried Thein, nahmen das Jubiläum zum Anlass für eine Auseinandersetzung mit der 68er-Bewegung, die zu gesellschaftlichen Strömungen, zu sozialen Veränderungen führte und eine neue politischen Kultur bewirkte. Feministischer Aufbruch, abweichende Lebensstile in Wohngemeinschaften, Sexualmoral, Bildungsreformen, Mitbestimmung und Teilhaberechte – „viele Errungenschaften, die die Jugendlichen damals gegen den Widerstand der Eltern durchgesetzt haben, sind heute selbstverständlich“, sagt Vize-Geschäftsführer Martin Koch.

In der Regisseur-Riege findet sich allerdings kein Fassbinder, kein Schlöndorff und kein Herzog. „Dem Filmschaffen in dieser prägenden Zeit werden wir sicher nicht gerecht“, sagen die Programmplaner. Nach einem ersten Fokus auf Themen um die Rote Armee Fraktion (RAF) kamen sie durch das Einbinden bestehender KoKi-Reihen wie „Filme ohne Verfallsdatum“ dem Anspruch näher, den Zeitraum breiter abzustecken und mit einem Zyklus das Zeitgefühl vor 50 bis 40 Jahren zu repräsentieren.

Wichtig sind dem Team aktuelle Bezüge. „Gerade in der Retrospektive müssen die Filme politisch gelesen werden“, ist Sebastian Hilscher überzeugt. Auch Werke wie „Zur Sache, Schätzchen“ (17. Oktober) und „Easy Rider“ (14. November). Insofern passe die Auseinandersetzung mit 1968 ins Hier und Jetzt, in eine Zeit, in der erneut Bewegungen entstehen, von Wagenknecht über MeToo bis zu „En Marche“ in Frankreich. „Mit der Reihe sind wie sehr aktuell“, sagt Doris Allisat. Sie freut sich auf „Die bleierne Zeit“ (5. Dezember), ein Drama über die Schwestern Ensslin, auf höchst gegensätzliche Weise politisch aktive Frauen.