760_0900_134400_Oratorienchor_Stadtkirche_Requiem_04.jpg
Tradition zum Totensonntag: Oratorienchor, Jugendkantorei und Bachorchester Pforzheim treten in erweiterter Besetzung auf. 

Konzert schenkt Zuversicht: Mozarts „Requiem“ in der Pforzheimer Stadtkirche aufgeführt

Pforzheim. Wolfgang Amadeus Mozarts wunderbare Musik hält selbst widrigste Bedingungen aus. Sein Werk steht für menschliche Würde und verlangt nach Deutung und Darstellung auch in Corona-Zeiten. Das zeigte eindrucksvoll die zweimalige Aufführung seines „Requiems“ in d-Moll (KV 626) in der Stadtkirche Pforzheim am Wochenende. Unter der Leitung von Kirchenmusikdirektorin Heike Hastedt fügte sich alles herrlich zusammen: Farbenreichtum, Ausdruckswucht und federnder Rhythmus im Chor (Oratorienchor Pforzheim und Jugendkantorei) und im Orchester (Bachorchester Pforzheim, durch Bläsergruppen erweitert). Dazu bereicherten facettenreiche Valeurs der heraus-ragenden Vokalsolisten den Mozart’schen Klangkosmos. Zum Ausgang des Kirchenjahres mit seinen Trauergedenktagen löste die Totenmesse, die primär eine liturgische Funktion besitzt, beim andächtig lauschenden Publikum teilnehmende Ergriffenheit aus.

Die in Abständen auf der großen Kirchenempore aufgereihten Pforzheimer Interpreten meisterten den Mozart-Stil mit Theaterdonner-Pauke, strahlender Verkündungsposaune und sanglichdunkler Intensität mit Bravour.

Auf Klangtransparenz gedrängt

Freilich verschwammen die Konturen öfters im stimmungsvollen Kirchen-Nachhall, obwohl die Dirigentin mit energischer Zeichengebung sichtlich auf Klangtransparenz drängte. In der breitflächig ausgelegten Interpretation der fugierten und wirkungsmächtig strömenden Chöre – etwa im einleitenden „Kyrie“ – war das nicht immer möglich, gelang aber beispielsweise beim wiederholten Vers „Et lux perpetua luceat eis“ (Und das ewige Licht soll ihnen leuchten) durch gelassen betonte Akzente und zurückgenommene Lautstärke mit großer Präzision. Dramatisch wirkten die chorischen Ausrufezeichen des „Rex tremendae majestatis“ (König von ehrfurchterregender Größe).

Wie sorgfältig die dynamischen Abstufungen der Chorpassagen sein können, stellte das zart gesungene, vom instrumentalen Aufbäumen begleitete „Voca me cum benedictis“ (Rufe mich mit den Gesegneten) im „Confutatis“ unter Beweis. Tonmalerisch deutlich waren in diesem Requiemabschnitt das Züngeln der Höllenflammen und die Qualen der Verdammten zu spüren. Mozart soll das Stück als letzten Teil seiner unvollendet gebliebenen Totenmesse komponiert haben, kurz bevor er starb. Auch der sich anschließende, melodiös klagende, von Bläsern und Streichern einfühlsam untermalte und in Stufen aufsteigende „Lacrimosa“-Chor schenkte den Zuhörern intensive Erlebnismomente. Ein Glücksfall waren die meist im Quartett gestaffelt einsetzenden und zusammen mit dem Orchester, aber auch mit dem Chor agierenden Vokalsolisten. Zur leuchtenden Posaune eröffnete die strenge Bass-Stimme (exzellent: Leonhard Geiger) das „Tuba mirum“. Der Tenor (Erik Grevenbrock-Reinhardt) malte die schauerliche Auferstehung der Toten sehr sinnlich aus, von der Posaune des Jüngsten Gerichts in der Zeile „Liber scriptus proferetur“ (Ein beschriebenes Buch wird erscheinen) diesmal sanft begleitet. Verhangen das elastisch klangschöne Timbre der Altistin Joanna Jaworowska. Glockenhell der Einsatz der Sopranistin Emmanuelle Chimento, die auch im abschließenden„Lux aeterna“(Das ewige Licht) engelsgleich sang.

So entfaltete die Pforzheimer Interpretation des Mozart-Requiems eine feine Balance zwischen abgründiger Dunkelheit und funkelndem Licht, das uns Menschen Zuversicht schenkt.