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Brian Auger (Keyboards), Alex Ligertwood (Gitarre+Vocals), Karma Auger (Schlagzeuger) und Travis Carlton (Bass). Foto: Frommer
Brian Auger (Keyboards), Alex Ligertwood (Gitarre+Vocals), Karma Auger (Schlagzeuger) und Travis Carlton (Bass). Foto: Frommer
02.10.2017

Konzert von Brian Auger’s „Oblivion Express“ im Kulturhaus Osterfeld

Pforzheim. Die beiden haben es noch immer drauf! Unverbraucht und beeindruckend kraftvoll stemmten Brian Auger (78) und Soul-Stimme Alex Ligertwood (70) im Osterfeld ein Konzert auf die Bühne, das beim Publikum sofort verfing. Schon mit dem ersten Song war allen, selbst den kritischen Sound-Feinschmeckern im Malersaal klar, diese Ausnahmemusiker mögen jeder auf lange Karrieren zurückblicken, aber sie spielen ganz im Hier und Jetzt.

Und noch etwas, kam mit den allerersten Klängen ‚rüber: Sicher, so ein Gig im Osterfeld spielt, und das ist völlig in Ordnung, frisches Geld in die Bandkasse, aber viel wichtiger – weil unbezahlbar! – ist die Freude an der eigenen Performance, an der die Band ihr Publikum von Anfang an kräftig teilhaben lässt. Was zur Bühnenbestform der beiden gestandenen Stars maßgeblich beiträgt, agiert (optisch) in der zweiten Reihe: Bassist Travis Carlton und Schlagzeuger Karma Auger sind beide Söhne international renommierter Fusion-Musiker – Larry Carlton und eben Brian Auger. Und beide geben den gereiften Frontmen eine rhythmische Basis vom Allerfeinsten. Für beide gilt, was Larry Carlton in einem Interview über Travis gesagt hat: „Er würde hier nicht spielen, wenn er kein exzellenter Musiker wäre. Er spielt nicht in der Band, nur weil er mein Sohn ist“. Mehr noch: Im Osterfeld eröffneten Travis Carlton und Karma Auger den Song „Don’t Look Away“ mit einem funkigen Intro an Bass und Drums, das dem Publikum spontanen Beifall entlockte.

Sänger und Gitarrist Alex Ligertwood setzte mit dem Brian Auger-Song von 1987 „Sundown“ ein kraftstrotzend stimmgewaltiges Highlight. Legte Alex Ligertwood seine E-Gitarre einmal beiseite – und schnappte sich beispielsweise eine Glocke – klang die Band sofort südamerikanisch. Den entsprechenden Rhythmus hat der Schotte sowieso im Blut: Lange Jahre (1979-1994) lieh er den Songs von Carlos Santana die Soul-Stimme.

Nach der Pause kam „Brian Auger’s Oblivion Express“ (Oblivion, zu Deutsch: Das Vergessen) zunächst eher jazzig (mit „Butterfly“) zurück. Was sich aber mit einer grandiosen Version der durch Donny Hathaway bekannt gemachten Blues-Ballade „I Love You More Than You‘ll Ever Know“ und die Brain Auger-Glanznummer „Compared To What?“ schlagartig wieder änderte. Die Zugabe gelang der Vater und Sohn-Band mit so viel Funk und Drive, dass der geneigte Betrachter allzu gerne das „Oblivion“ aus dem Bandnamen streichen möchte: Vergessen wird dieses Konzert keiner der an diesem Abend im Malersaal anwesenden.