nach oben
Berühmte Gäste: Das Kronos Quartet spielte in der Kulturhalle. Frommer/Archiv
Berühmte Gäste: Das Kronos Quartet spielte in der Kulturhalle. Frommer/Archiv
29.10.2015

Konzerthalle Remchingen: Mehr als nur ein Kulturtempel

Remchingen. Man sieht es der Kulturhalle nicht an: Dieser Tage wird das 25. Jubiläum des Remchinger Veranstaltungskomplexes gefeiert.

Architekt Helmut Striffler setzte schon 1990 auf lasierte Betonflächen, auf eine markante, weil sichtbare Tragwerkskonstruktion und ein asymmetrisches Dach, unter dem ein energiesparendes Tageslicht-Leitsystem installiert ist. Strifflers multifunktionaler Entwurf war seiner Zeit ganz offensichtlich voraus.

Und das flexible Raumangebot der Kulturhalle Remchingen schätzen Firmen, Schulen, Vereine, Musiker und Theatergruppen bis heute gleichermaßen.

Natürlich gab es anfangs auch Hallengegner, die einen Kulturtempel als bloße Geldverschwendung ansahen, erinnert sich Roland Haag, vom ersten Tag an Chef der Kulturhalle: „Aber die Befürworter setzten sich dank des damaligen Bürgermeisters Wolfgang Oechsle und eines weitblickenden Gemeinderats durch.“

„Das war außerordentlich mutig“, würdigt der 63-Jährige respektvoll die Entscheidung der Gemeinde, die erste Sommerpause sofort zu nutzen, um den großen Saal – nachträglich – mit ansteigenden Sitzreihen zu versehen. Jazz-Veranstaltungen zählten (auch deshalb) in der Folgezeit zu den Publikumsmagneten: Chick Corea, John Zorn, Egberto Gismonti oder das Kronos Quartet fallen Haag spontan als musikalische Highlights ein.

Viele Erinnerungen

„Der bestellte Bus für das Kronos Quartet kam nicht zum Stuttgarter Flughafen. Sonntags in der Vor-Handy-Zeit“, erinnert sich Roland Haag, nur mit Mühe habe er einen Ersatzbus organisieren können – doch die Musiker hätten zum Glück nichts von Stress im Vorfeld bemerkt, denn ihr Flug aus den USA hatte eineinhalb Stunden Verspätung. Noch eine Erinnerung: Das Remchinger Konzert der britischen Jazzrockband Colosseum wollten mehr als 1500 Zuschauer live erleben – sie standen bis ins Foyer. „Zu Beginn der 1990er-Jahre war vieles noch anders“, räumt Haag lächelnd ein: Manchem Remchinger war seinerzeit das Musical „Hair“ zu freizügig, und andere empfanden Mathias Richling als zu aufmüpfig oder Zauberei schlichtweg als Teufelswerk.

Die wichtigste Aufgabe der Kulturhalle, unterstreicht ihr Chef, sei die Verankerung in der Region. Daher, so Haag, seien kulturelle Veranstaltungen nur eine Sparte, die bedient würde. Außerdem gebe es Firmen-Events, Workshops und Tagungen, Veranstaltungen der Gemeinde, der Schulen und Vereine. Kurse und Übungsstunden der Ballettschule Remchingen und der Musik- und Kunstschule Westlicher Enzkreis finden in der Kulturhalle täglich statt. Und mit dem Nöttinger Löwensaal gibt es eine zusätzliche Bühne für Kleinkunst und Kabarett. Das Rückgrat der Kulturhalle sei aber ein zuverlässiges Team langjähriger Mitarbeiter, die teils bereits seit mehr als 20 Jahren im Haus tätig seien. Derzeit teilen sich sieben Mitarbeiter fünf Stellen.

Was anfangs der Jazz war, scheint inzwischen der Bluesrock zu sein. Bernard Allison, Walter Trout, Eric Sardinas oder Poppy Chubby – in der Kulturhalle Remchingen machen die angesagten Musiker des Genres regelmäßig und gerne Station. Für Roland Haag ist dieses Detail des Programmprofils sowohl Ausdruck einer eigenen Handschrift als auch des erfolgreichen Behauptens zwischen den Einzugsgebieten Karlsruhe und Pforzheim. Besonders stolz ist er auch auf die 550 Theater-Abos: „Wir haben heute mehr Nachfrage als Plätze und achten darauf, dass mindestens 50 Karten in den freien Verkauf gelangen.“