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Von beschwingter Heiterkeit: das Klosterkonzert um den Geigenvirtuosen Hugo Ticciati (Mitte).  Foto: Frommer

Kreuzganggartenkonzert von Hugo Ticciati und dem O/Modernt Kammerorchester

Maulbronn. Sommerliche Augenweide: Der vom Kreuzgang malerisch in behauenen Stein gefasste Klostergarten der Zisterzienserabtei hat das Konzert von Hugo Ticciati (39) und dem O/Modernt Kammerorchester am Sonntagabend zu einem veritablen Gesamtkunstwerk gemacht.

Selbst der unvermeidliche akustische Beifang – gackernde Enten, flügelschlagende und gurrende Tauben – vermochte den Genuss von Musik und Spielstätte nicht zu schmälern. Der in Großbritannien geborene, international schon früh erfolgreiche und in Schweden lebende Geigenvirtuose Hugo Ticciati hatte für sein Klosterkonzert in Maulbronn nicht weniger als 13 junge Musikerinnen und Musiker aus aller Welt – in optisch bester André-Rieu-Manier – um sich geschart. Alberto Mesirca (Gitarre), Julian Arp und Claude Frochaux (beide: Cello) und Jordi Carrasco Hjelm (Kontrabass) mögen das Herzstück des O/Modernt Orchesters gebildet haben, aber den einschmeichelnden zarten Schmelz der zweiten Konzerthälfte prägten Ticciati und die neun Streicherinnen des Ensembles: Floor Le Coultre, Hannah Dawson, Silijamari Heikinheimo, Luiza Labouriau, Tetiana Lutsyk, Susanne Schäffer und Annette Walther (alle Violine) sowie Simone van der Gleissen und Claude Frochaux (beide: Viola).

Den zweiten Abschnitt bestimmten insgesamt acht „Jahreszeiten“, vier barocke von Antonio Vivaldi (1678-1741) und vier, vom argentinischen Tango Nuevo inspirierte, von Astor Piazzolla (1921–1992). Die Darbietung der vielfach bewährten Kombination zweier gänzlich unterschiedlicher Kompositionen quittierte das Maulbronner Publikum mit viel Beifall und Zugabe-Rufen, die das Orchester mit einer schwungvollen Reprise des 3. Satzes (Presto ¾, g-Moll) aus Antonio Vivaldis „Sommer“ („L’estate“) honorierte.

Vor der Pause überließ Hugo Ticciati die Bühne zunächst Cellist Julian Arp (Deutschland) und Gitarrist Alberto Mesirca (Italien), die mehrere Chaconnes unterschiedlicher Komponisten gekonnt, aber – zumindest was Julian Arp betrifft –, einen Tick zu theatralisch darboten. Die beschwingte Heiterkeit, die das gesamte Orchester den „Variationen über ein Thema von Frank Bridge“ des englischen Komponisten Benjamin Britten (1913-1976) verlieh, hätte den Konzerteinstieg im bestens besuchten Klostergarten sicher deutlich leichter gemacht, als Dreiertakt und Dichte der den Anfang bestimmenden Chaconnes.