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Tana French gehört laut „Washington Post“ zu den besten Krimi-Autoren der Welt. Foto: Kaiser
Tana French gehört laut „Washington Post“ zu den besten Krimi-Autoren der Welt. Foto: Kaiser
04.01.2017

Krimi-Autorin Tana French mit ihrem neuesten Streich: „Gefrorener Schrei“

München. Vor acht Jahren eroberte die irische Autorin und frühere Schauspielerin Tana French mit ihrem Debüt „Grabesgrün“ die Krimi-Welt und bewahrte sich selbst so vor der Pleite. Heute ist sie „eine der besten Kriminal-Autorinnen der Welt“, urteilte die „Washington Post“. Jetzt kommt schon ihr sechster Roman auf den Markt: „Gefrorener Schrei“. Darin liegt die hübsche junge Blondine Aislinn Murray tot in ihrem Wohnzimmer. Sie hat sich den Kopf aufgeschlagen am Kamin. Schnell kommen die Ermittler auf die Spur des Mannes, mit dem sie mutmaßlich ihren letzten Abend verbringen wollte: dem unscheinbaren Buchhändler Rory.

Eine klassische Beziehungstat, denken Ermittlerin Antoinette Conway und ihr Partner Steve Moran und sind wenig erfreut darüber. Schließlich warten sie auf ihren ganz großen Coup, der ihnen endlich den ersehnten Respekt der Dubliner Mordkommission einbringt – oder wenigstens die Möglichkeit, in Ruhe zu arbeiten. Conway hat von Tag eins an mit Mobbing zu kämpfen und wünscht sich nichts mehr, als endlich von den Kollegen anerkannt zu werden, auch wenn sie das niemals zugeben würde. Sie vermutet als schwarze Frau Sexismus und vor allem Rassismus hinter den Anfeindungen.

Als die Intrigen sich während ihrer aktuellen Ermittlungen häufen, als Protokolle von Zeugenaussagen verschwinden, Kollegen sich seltsam verhalten und einen ungewöhnlichen Belastungseifer an den Tag legen, um den Verdächtigen Rory endlich zu verhaften, werden Conway und Moran aber stutzig.

Steckt vielleicht viel mehr hinter dem Mord an Aislinn? Was hat es mit dem Mann auf sich, mit dem sie nach Angaben ihrer besten Freundin parallel zu Rory eine Affäre gehabt haben soll? Und warum, zum Teufel, finden sich im ganzen Haus – noch nicht mal auf dem Klodeckel – irgendwelche Fingerabdrücke? Gibt es etwa korrupte Polizisten in der Mordkommission?

French greift auch in ihrem neuen Buch auf ihr altbekanntes Mittel und altbekannte Figuren zurück, die schon in früheren Romanen in Erscheinung traten. Conway spielte im Buch davor – „Geheimer Ort“ – eine Nebenrolle, ihr Partner Moran die Haupt-Ermittler-Rolle.

„Dass ich immer wieder Nebenrollen aus früheren Büchern zu Hauptrollen mache, gibt mir die Möglichkeit, die Charaktere aus einem anderen Winkel zu betrachten. Schließlich ist die Selbstwahrnehmung oft eine völlig andere als die Fremdwahrnehmung“, sagte French einmal in einem Interview. Auch ansonsten bleibt die Autorin in ihrem neuen Buch ihrem Stil treu: psychologische Mysterien statt Blut und Brutalität und beweist einmal mehr, wie spannend das sein kann. Ein paar Schwächen gibt es allerdings auch: Das Buch hat hier und da ein paar Längen und Moran und Conway spekulieren für Kriminalisten oft ein wenig zu haltlos herum.