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02.11.2015

Kriminacht in der Thalia-Buchhandlung feiert zehnjähriges Bestehen

Pforzheim. Was für mörderische Gedanken einer Eintagsfliege: Ihren Mitbewohner Gustav will sie zur Strecke bringen. Schließlich hat er damit angefangen, hat einfach eine Fliegenklatsche besorgt und seine Angebetete ermordet.

„Nur noch eine breiige Masse“ war von ihr übrig, von der „Claudia Schiffer unter den Fliegen“. Sie stürzt sich auf ihn, nennt ihn wutentbrannt „Schmeißfliege“ und stellt doch bald fest: Der Sieg über Gustav ist nur mit List zu bewältigen. Amüsanter ist wohl kaum eine Kriminacht in der Thalia-Buchhandlung zu Ende gegangen. Und das ist vor allem einem zu verdanken – dem bekannten Sprecher Jo Jung, der Leo P. Ards „Die Eintagsfliege“ äußerst lebendig und mit facettenreicher Stimme liest.

Markante Stimme

Zum zehnjährigen Bestehen der Pforzheimer Kriminacht wollte die veranstaltende Buchhandlung ein etwas anderes Programm bieten, hat nicht wie üblich drei Autoren eingeladen und den Abend unter ein Motto gestellt. Mit dem literarisch-musikalischen Krimiabend „Der Detektiv und das Saxofon“, dargeboten von der „kriminellsten Jazzband Süddeutschlands“: Jo Jung & Boogaloo, erhielten die Zuschauer stattdessen einen genussreichen Cocktail aus Krimigeschichten, Filmmusik und Gruselgeräuschen.

So erwecken Ruth Sabadino (Saxofon), Martin Johnson (E-Piano) und Christoph Sabadino (Schlagzeug) nicht nur „Miss Marple“ zum Leben, sondern auch Londons Serienmörder „Jack the Ripper“. „Eines können wir aber nicht – lesen“, stellt die Saxofonistin gleich zu Beginn klar. Jo Jung umso besser: Wortkarger Sizilianer, schwäbelnder Hotelportier, lasziver Frauenheld – alles kein Problem für den stimmgewandten Sprecher mit Humor. Seine markante Sprache trägt alles, sein fieses Lachen gibt den Figuren aus Wolfgang Schorlaus „Fremde Wasser“ Gestalt. „Sie musste um jeden Atemzug kämpfen“, liest er aus dessen Krimi, führt keuchend vor, wie eine Abgeordnete vor ihrer Rede zusammensackt. Das Röcheln imitiert Ruth Sabadino auch eindrucksvoll am Saxofon.

Überhaupt gelingen der Musikerin die schrägsten Laute: Bei Kruses Geschichte zum Beispiel, die sich um Erpressung, „Matratzensport“ und Rachegelüste dreht, lässt sie ihr Instrument regelrecht aufheulen – dann nämlich, als Jo Jung lang und laut „Blut“ hinausbrüllt. Auch die „spitzen Schreie des Höhepunkts“ ahmt sie in hoher Tonlage nach. Mal ertönt schummriger Blues als Untergrundmusik, mal der Erotiksong „Je t’aime“, mal auch nur die Stimme von Jo Jung.

Ein spannend-originelles Hörkino, das den Zuhörern einen Mordsspaß bereitete und mit der Zugabe „Soho“ von Edgar Wallace ausklingt.