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Franz Xaver Kroetz wird 70.
Franz Xaver Kroetz wird 70.
25.02.2016

Kroetz schreibt einen „Tatort“: vergebliche Mühe

München. Das Haus sieht nicht so aus, als würde die „Dreckschleuder des deutschen Theaters“ darin wohnen – und auch nicht so, als könnte Klatschreporter Baby Schimmerlos sich dort wohlfühlen: ein gepflegtes, kleines weißes Häuschen im mehr als bürgerlichen, gepflegten Westen von München. Ein buntes Kinderrad lehnt an der Wand. Doch tatsächlich: Franz Xaver Kroetz öffnet die Tür, der einst hoch umstrittene Theaterautor und der Hauptdarsteller in Helmut Dietls Kultserie „Kir Royal“.

Vor knapp einem Jahr ist Kroetz Opa geworden, heute wird er 70 Jahre alt. Mehr als 60 politische Stücke hat er geschrieben, die in rund 30 Sprachen übersetzt und in mehr als 40 Ländern der Welt aufgeführt wurden. Sein Aufstieg begann mit „Heimarbeit“ und „Hartnäckig“; mit der Zeit wurde er zum wichtigsten Repräsentanten eines neuen, politischen Volkstheaters.

Das ist er schon seit zehn Jahren nicht mehr. „Meine Bühnenpräsenz, mein Erfolg als Dramatiker, hatte so nachgelassen, dass ich mir das Theaterstücke-Schreiben nicht mehr leisten konnte“, sagt er. Sein jüngstes Stück „Du hast gewackelt. Requiem für ein liebes Kind“, das Kroetz für eines seiner besten hält und das 2012 mit fast zehnjähriger Verspätung im Münchner Cuvilliés-Theater uraufgeführt wurde, floppte beim Publikum, auch wenn Kroetz für den Mühlheimer Dramatikerpreis nominiert wurde. „Da hätte der Schauspieler Kroetz den Dramatiker Kroetz alimentieren müssen“, sagt er über seine zuletzt nicht sehr lukrative Kunst.

„Weil dieser Job wirklich unanständig gut bezahlt ist“, gibt Kroetz sich alle paar Jahre in dem einen oder anderen Fernsehfilm die Ehre (an Karfreitag ist es mit dem ARD-Film „Das Geheimnis der Hebamme“ wieder soweit), auch wenn er Fernsehfilme eigentlich nicht ausstehen kann. Er hat ein „Tatort“-Drehbuch für den Bayerischen Rundfunk geschrieben, auch wenn er Krimis nicht mag. Und der BR das „ausführliche Exposé“ auch prompt abgelehnt hat.