nach oben
El Nene (Mitte) und seine Bandmitglieder sorgen dafür, dass es in der Kulturhalle keinen auf den Sitzen hält. Foto: Frommer
El Nene (Mitte) und seine Bandmitglieder sorgen dafür, dass es in der Kulturhalle keinen auf den Sitzen hält. Foto: Frommer
18.05.2018

Kubanischer Sound: El Son del Nene bringen die Kulturhalle Remchingen zum Tanzen

Remchingen. Immer wieder faszinierend: Ausstrahlung und Selbstverständnis des Son Cubano. Gerade live dargeboten ist der afro-kubanische Musikstil eine Art Urknall zahlreicher rhythmischer Karibik-Klänge mit Herkunft Havanna – wie beispielsweise Rumba, Mambo oder Cha-Cha-Cha.

Mehr als 170 Zuhörer kamen am Mittwochabend in der Remchinger Kulturhalle beim Konzert des Septetts El Son del Nene in den Genuss des mitreißenden Sounds, der ohne jedes Intro, ansatzlos seine Klangfülle strahlend und macho-siegessicher herausposaunt und so jeden Saal im Handumdrehen für sich einnimmt.

El Son del Nene, das sind Bandleader Pedro Lugo Martinez („El Nene“) und seine musikalischen Mitstreiter Ernesto Montalvo Reyes (Trompete), Carlos Xavier López (Gitarre), Aracy López Sanchez (Tres Cubano), Rigoberto Gonzalez Balsinde (Congas), Yoendry El Melo Pereira (Bongos) und Deivys Berroa (E-Bass). Die geballte Perkussion und die von der Gitarre abstammende, mit drei Chören zu jeweils zwei dünnen Saiten ausgestattete Tres Cubano lassen weder ein Schlagzeug noch ein Piano vermissen – und verleihen dem Konzert mitreißenden Drive und ein geradewegs in die Beine gehendes Tempo.

Das Konzert ist auf der Zielgeraden, als die Formation mit dem Klassiker „Que Tiene Maria“ das Strickmuster des kubanischen Son geradezu exemplarisch umsetzt: El Nenes markanter Tenor gibt beim Frage- und Antwortgesang zur vielbesungenen und geradezu legendären „Mariaaaa“ die Erststimme, seine Bandmitglieder bündeln ihren Gesang zur Zweitstimme (Bariton), die den gesamten Song unablässig und in zackigem Tempo wiederholt, gerade so, als wäre der zum Refrain erhobene Liedtitel eine magische Zauberformel. Diese Magie überträgt sich auf das Saalpublikum, niemanden im Saal hält es auf den Sitzen. Die Musiker nutzen den Moment, einer der Perkussionisten und der Trompeter flankieren jetzt El Nene am Bühnenrand bei einer Art improvisiertem Line Dance, motivieren die Zuhörer mit weit ausholenden Armbewegungen und kreisenden Hüften zum Mittanzen. Kurz darauf folgt die einzige Zugabe des Abends: „Chan Chan“, der unverwüstliche Song von der Reise nach Marcané, den Compay Segundo, Ry Cooder und Wim Wenders Ende der 1990er-Jahre wiederentdeckt und unsterblich gemacht haben.

Gerne hätten viele im Saal ihre akustische Reise durch Kuba noch weitergeträumt, doch der Tourneeplan der Formation ist straff, die nächsten Gastspiele folgen unmittelbar in Bayern, Österreich und in der Schweiz, in nur ein-, höchstens zweitägigen Abständen.