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Die im vergangenen Jahr unerwartet verstorbene Annette Karrenbach vor einem ihrer Märchenköpfe – ein in Gedenken an die Künstlerin gestaltetes „Bild im Bild“. Foto: Ketterl
Die im vergangenen Jahr unerwartet verstorbene Annette Karrenbach vor einem ihrer Märchenköpfe – ein in Gedenken an die Künstlerin gestaltetes „Bild im Bild“. Foto: Ketterl
07.05.2019

Künstlergilde Buslat mit Ausstellung in Gedenken an Annette Karrenbach

Pforzheim. Zwei verwandte Menschen, zwei verwandte Seelen: In der Gedenkausstellung der Künstlergilde Buslat für die 2018 unerwartet verstorbene Malerin und Grafikerin Annette Karrenbach und ihren Onkel, den Designer und freischaffenden Künstler Helmut W. Weisser, schwingt eine ungewöhnliche, deutlich spürbare Harmonie.

Die beiden Pforzheimer Kreativen verbindet das Hauptthema menschliche Figur, dem sie sich trotz unterschiedlicher Techniken mit derselben Grundhaltung, einer offenen und weltzugewandten, positiven und freundlichen Stimmung widmen.

Annette Karrenbach arbeitete nach ihrem Studium an der damaligen Fachhochschule für Gestaltung in Pforzheim als freischaffende Künstlerin. Schon früh entwickelte sie ihren Themenkatalog: Paare, Märchen, Kinder, Musik, Generationen, alles in Verbindung mit der menschlichen Figur.

Aus ihren Märchenblättern blicken Mädchenköpfe mit großen, wie verzauberten Augen auf den Betrachter. Die Mischtechniken (Aquarell, Acryl, Wachskreide, Tusche) bestechen mit ihrer kräftigen, kühlen Palette, in der Grün- und Blautöne vorherrschen. Zartes Rose und Orange überhauchen frühlingshafte Motive.

Fröhlich und unbeschwert

Mit Tusche und selbst geschnittenen Rohrfedern aus Bambus und Holunder widmete sie sich den Paaren. Auf strenge Konturen verzichtete sie, filigrane, fast nervöse Liniengeflechte machen das sensible Innenleben der Figuren spürbar. Fröhlich und unbeschwert sind die Kinder in kleinformatigen Zeichnungen. In den jüngsten Arbeiten von 2017/18 hat sich Annette Karrenbach mit Gold und Silber als Kontrast zu Schwarz und Weiß beschäftigt und zeigt hier Figuren, die mit schmückenden, goldenen Formen interagieren.

Ihre Liebe zur Musik hat Annette Karrenbach, die viele Jahre im Pforzheimer Motettenchor sang, in Papierarbeiten eingefangen und dabei die durch die Musik ausgelösten Emotionen in farbigen Wellen umgesetzt.

Helmut W. Weisser hat nach einer Ausbildung zum Stahlgraveur an der damaligen Kunst- und Werkschule in Pforzheim studiert. Seit 1973 ist er als Schmuckdesigner und freischaffender Künstler tätig.

Sein Hauptthema ist der weibliche Akt, den er in Bronze und Silber umsetzt. Die Figürchen sind mit Holz, Stein und unterschiedlichsten Fundstücken kombiniert, die den tanzenden, sich drehenden und biegenden kleinen Frauen als Sockel, Stützen oder Balancestangen dienen.

Die in knapper Formensprache gestalteten Figürchen zeigen bei allem Verzicht auf Details erotische Ausstrahlung, Eleganz, Sinnlichkeit und ästhetische Schönheit und entbehren nicht eines augenzwinkernden Humors.

In seinen Wandobjekten bearbeitet hölzerne Fundstücke, in die er Zickzackformen wie offene Münder mit spitzen Zähnen einsägt und farbig fasst.

Am Sonntag eröffnete der Buslat-Vorsitzende Norbert Jüdt die ausgesprochen gut besuchte Ausstellung. Die Kunsthistorikerin Christina Klittich hielt die – noch gemeinsam mit Annette Karrenbach vorbereitete – Einführungsrede.

Die musikalische Gestaltung hatte Eva-Maria Heinz (Klavier) übernommen. Sie spielte zwei selbst komponierte Improvisationen und ein Bach-Präludium.