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Mit farbsatten Makroaufnahmen von Blüten versucht Ursula Ebert, die Seele der Pflanzen sichtbar zu machen. Sie stellt in der Künstlergilde Buslat aus.  Foto: Meyer 
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Auf Staffeleien inszeniert, wirken die Fotos wie impressionistische Gemälde.  Foto: Meyer 
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Schmuck und Stein in der Ebert’schen Abstraktion.  Foto: Meyer 

Künstlergilde Buslat stellt experimentelle Naturfotografien in Pforzheim aus

Pforzheim. Blüten von Mohn und Artischocken, deren Plastizität und Farbigkeit ins Auge springt. Strukturen, die die Fotos wie impressionistische Gemälde wirken lassen. Ursula Ebert macht die Seele von Pflanzen sichtbar. Ihre Bilder komponiert sie zu einer Hymne auf die Schöpfung. Zu sehen ist dies von Sonntag an in ihrer Ausstellung bei der Künstlergilde Buslat im Katharinentaler Hof. „Ich will Dinge entdecken, die man mit bloßem Auge nicht sieht“, sagt die Künstlerin aus Rheinstetten. Dazu geht sie mit ihrem Makro-Objektiv ganz nah ran an die Objekte. Das Sehen, das genaue Hinschauen, habe sie von ihrem Vater gelernt, einem Maler.

Retusche und Ausarbeitung

Ebert (Jahrgang 1942) hat einst eine Ausbildung zur Fotografin absolviert, in analogen Zeiten. „Damals haben wir noch von Hand koloriert oder Bilder einzeln bemalt, wenn es der Kunde wollte.“ Korrektes Ausarbeiten und Retusche waren große Themen – und sind es für sie heute noch. Wenn auch digital. Mit Techniken und Programmen, in die sie sich in den Nuller-Jahren erst mal aneignen musste.

Dabei sucht sie einen anderen Zugang als so mancher Purist. Ebert will den Fotorealismus überwinden. Detailgetreues Darstellen eines Motivs empfindet sie als Fessel. Wie so vieles im Leben ist eben auch das „Ansichtssache“, so der Titel der Ausstellung. „In anderen Künsten ist das Spiel mit den Mitteln ja auch kein Thema“, sagt sie.

Einige Bilder setzt sie in den Buslat-Räumen auf Staffeleien in Szene. Dass die gebürtige Mannheimerin einst einen Kunstverein mitgründete, hat im wahrsten Sinne des Wortes abgefärbt. Mal verfremdet, mal akzentuiert, mal pointiert: Unter Einsatz der bildnerischen und spielerischen Möglichkeiten der modernen Fotografie und Bildbearbeitung experimentiert sie mit Abstraktion und Impression. So bekommen die Fotos eine (neue) Aussage. Ebert lässt zum Beispiel Steine aussehen wie Kometen. Eine Glasflasche wird im Zusammenspiel von Licht, Kies und Sand zu „Zürich bei Nacht“. Die von ihr geschaffenen Strukturen erscheinen haptisch und dreidimensional, wenn sie auf Leinwand gedruckt sind. Auf Acryl dagegen farbsatt und brillant. Teils sind die Arbeiten von faszinierender Schärfe, andere erreichen Tiefe im „Dazwischen“, durchs Auslösen der Kamera just vor der vollen Fokussierung der Linse. Dass Ebert jahrzehntelang gar nicht fotografiert hat, sondern sich Schmuck, Keramik und textiler Kunst widmete – dem Weben, Filzen und Färben –, sieht man ihren Bildern an. So versieht sie gestrandete Blätter an einem See mit einem (künstlich hinzugefügten) Wirbel, der für die Energie der Evolution steht.

Ursula Ebert versucht, Sinn in das Gezeigte zu legen. Die Impulse dafür entwickeln sich in ihrer Fantasie durch meditative Betrachtung. „Die Schöpfung ist der Überbau für so Vieles“, sagt Ebert, die sich selbst als gläubig bezeichnet.

Umweltthemen beschäftigen Ursula Ebert ebenfalls. Ein Bild zeigt das Auge eines Kindes, von Flammen umringt. „Sehenden Auges“, so der Titel der Arbeit, wird die Welt zerstört. Auf einem anderen Bild können sich Pappeln nicht gegen nahendes Gift wehren.

Für die Künstlergilde ist die Ausstellung Anfang August ein Novum. Bisher ging es dann immer die Sommerpause. Buslat-Vorstand Norbert Jüdt: „Wir wagen dieses Experiment in der Annahme, dass die Reiselust in diesem Jahr doch ein wenig eingeschränkt ist und betrachten den Neuanfang einfach als kleines Ferien-Event – wenn auch unter den Bedingungen der ,neuen Normalität’.“

Die Vernissage am Sonntag um 11 Uhr ist ausgebucht. Um 15 Uhr sind noch Plätze frei. Anmeldung per Mail an drnjuedt@gmail.com. Es gilt die AHA-Regel (Abstand, Hygiene, Alltagsmaske). Die Schau „Ansichtssache“ auf dem Katharinentaler Hof zwischen Pforzheim und Bauschlott ist an allen Sonntagen im August von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Details auf www.kuenstlergilde-buslat.de.

Michael Müller

Michael Müller

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