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„Camille Corot. Natur und Traum“ ist der Titel der Karlsruher Schau, bei der auch das Gemälde „Flucht nach Ägypten“zu sehen ist.
Landschaft bei Ville d‘Avray.
Selbstbildnis aus dem Jahr 1825.
Atelierszene mit Modell von 1865.
18.10.2012

Künstlerleben von Maler Camille Corot im PZ-Forum vorgestellt

Leicht macht es Camille Corot dem Betrachter wahrlich nicht: „Da denkt man, jetzt startet er mit einem Paukenschlag in Richtung Moderne – und dann malt er wieder Landschaftsbilder wie vor 200 Jahren“, sagt Claudia Baumbusch im PZ-Forum.

Bildergalerie: Camille Corot "Natur und Traum" in Karlsruhe

Traditionalist oder Avantgardist? Wo lässt sich dieser 1796 in Paris geborene und 1875 dort gestorbene Künstler einordnen? In der Riege der Konservativen – zumindest, was sein Leben angeht: Aus wohlhabendem Haus stammend, ist er nie auf den Verkauf seiner Werke angewiesen und hat doch Erfolg auf dem Kunstmarkt. Als Spätberufener, der erst mit 27 Jahren zu malen anfängt. Als Junggeselle, der sein Elternhaus erst nach dem Tod von Vater und Mutter verlässt. Und doch malt er Bilder, „die 50 und mehr Jahre ihrer Zeit voraus sind“, sagt die Kunsthistorikerin. Über 180 Kunstfreunde hängen im PZ-Forum an ihren Lippen, wollen mehr erfahren über den „unbekannten Bekannten“.

„Eine Entdeckung“, verspricht Baumbusch ihren Zuhörern, denn mit der Großen Landesausstellung präsentiert die Staatliche Kunsthalle Karlsruhe den Maler und grandiosen Zeichner, wie er in Deutschland so noch nie zu sehen war. Mit Frühwerken, wie „Die Tiberinsel in Rom“, die den Kubismus vorwegzunehmen scheinen. Entstanden während seiner ersten Italienreise von 1825 bis 1828. Oder: „Landschaft bei Mondlicht“ von 1874 – ein Gemälde, bei dem es nur noch um die geheimnisvolle Stimmung und nicht mehr um die reale Landschaft am Lago Maggiore geht. Oder jene wenigen Porträts von Familie und Freunden, die Corot geschaffen hat: Menschen, die mit Melancholie und Zweifel im Blick dem Betrachter gegenübertreten.

Mit zunehmendem Alter ändert sich ab Mitte der 1850er-Jahre die Palette des Künstlers: Wie von einem Silberschleier überzogen, wirken seine Gemälde. Noch stiller werden die Landschaften, noch weltentrückter die Dargestellten. Bilder, die vom Betrachter Zeit einfordern, bis – wie es Corot selbst formuliert hat – „sich der Nebel verzieht“. Doch er selbst schlägt im hohen Alter immer wieder den Bogen: Mit seinen Landschaften verweist er auf die Tradition von Nicolas Poussin (1594–1665) oder Claude Lorrain (1600–1682). Doch mit seinen bewegten, fast abstrakt anmutenden Zeichnungen weist der den Weg ins 20. Jahrhundert.