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Die Band „Füenf“ (von rechts) auf der Freibad-Bühne: Little Joe, Pelvis, Memphs, Justice und Dottore basso.  Foto: Frommer 

Kultiger Klamauk im Autokino: A-cappella-Quintett „Füenf“ aus Stuttgart begeistert Remchingen

Remchingen. Start der Autokino-Tour auf der Freibad-Bühne: Die A-cappella-Formation „Füenf“ gastierte am Freitagabend in Remchingen. Stimmgewaltig und sichtlich bestens gelaunt präsentierte die schwäbische Kult-Band einen unterhaltsamen Querschnitt durch ihr in 25 Jahren gewachsenes Repertoire.

Die „Füenf“, das sind Tenor und Gründungsmitglied Christian Konrad Maria Langer (Bühnenname: „Justice“), Bariton Patrick Bopp („Memphis“), Tenor Jens Heckermann („Pelvis“), Francesco Cagnetta („Dottore basso“) und der Falsettist Kai Podack („Little Joe“). Sie eröffnen den Konzertabend mit dem „Ernährungs-Medley“ von ihrem 2005er-Album „Südfrüchte“ und lassen neben der Hymne „Autofahren“ zwei Songs von ihrer jüngsten CD folgen: „Mein Nachbar Donald“ und den zur Fahrzeugansammlung vor der Bühne durchaus passenden Titel „Rettungsgasse vor der Supermarktkasse“, bei dem die Leadvocals von „Pelvis“ vorgetragen werden – und ein klammheimlich nach „EAV“ (Erste Allgemeine Verunsicherung) klingen.

Schwäbisch wird es mit dem auf Wolle Kriwanek (1949-2003) zurückgehenden Klassiker „Strossaboh“ und einer gesungenen Aneinanderreihung regionaler Schimpfworte – lückenlos, mitunter derb und in rascher Folge. Zu Falcos Hit „Jeanny“ fabrizieren die „Füenf“ ihr Lied über „Siggi“ (2016 auf „5 Engel für Charlie“ veröffentlicht). Jeder Song erntet ein Hupkonzert der knapp 50 Pkw vor der Freibad-Bühne – auf Wunsch der Band kommen auch Scheibenwischer, Blinker und Scheinwerfer zum Jubel-Einsatz. Nach dem „Lindner-Pseudo-Medley“ (2014) und der rigorosen „Ver-HORST-ung“ mehrerer Liebeslieder (das Wort „LOVE“ wird konsequent durch „HORST“ ersetzt) gehen die fünf Sänger winkend von der Bühne. Alle Autos hupen jetzt. Lang und ausnahmslos. Eine Wagenbesatzung, kommentiert die Band, „probiert sogar den Elchtest“

„Bevor das Ordnungsamt noch kommt“, meint Justice grinsend, „singen wir lieber noch eins“. Es folgt Ralph Digels Schwaben-Hymne „Mir im Süden“ und mit „Sweet Dreams Are Made Of This“ (Eurythmics) die einzige Coverversion des Abends.

Nach nur 75 Minuten ist Schluss – Schade eigentlich, denn auf der Zielgerade des Konzertabends sind die vier Schwaben der Band samt ihrem Beute-Karlsruher „Memphis“ schlicht in kollektiver Bestform – und die Hymnen entpuppen sich wieder einmal als echte Bringer.

Willy Astor spielt mit der Sprache

Andere spielen mit Bällen, mit Geld oder mit Interessen. Willy Astor nicht. Er spielt mit Worten, mit Lauten und auf der Gitarre. Bei ihm geht es um „eingefleischte Veganer“, um „Froschfotzenleder“, um „Radkäppchen“, den „bösen Golf“ und den „Kater Lysator“. Dem Publikum der Remchinger Freibad-Bühne wird schwindelig, als er am Samstagabend mehr als anderthalb Stunden lang Gleichklänge bewusst ausnutzt, neue Worte erfindet, alle möglichen und unmöglichen Zusammenhänge konstruiert – ohne Punkt und Komma, aber dafür immer mit einem breiten Grinsen im Gesicht. Als wollte er sagen: Guckt mal, was man mit der deutschen Sprache alles anstellen kann.

Ihm fällt immer etwas ein – auch zu den sogenannten „Pubertieren“: Heranwachsende, die im Bett chillen und zu Höherem berufen sind. Für sie ist „Wischen impossible“ und bei ihnen kann man vom Boden essen: „So viel liegt da rum.“ Nicht nur ihnen hat er ein Lied gewidmet, sondern auch den schwererziehbaren Senioren, dem überaus seltenen „Hänge-Reh“ und der Neugierde. Die Musik liegt Astor im Blut und die Choreografie der „Spastelruther Katzen“ kann er im Schlaf tanzen.

Apropos: Astor hat geträumt, zum Islam konvertiert zu sein. Müsste er dann ein islamisches Handy benutzen? Eines, bei dem die Antenne beschnitten, und das Display verschleiert ist, das „Bin Laden“ anzeigt, wenn man den Akku reinsteckt? Fragen über Fragen. Fest steht indessen: Urlaub ist etwas Schönes. Auf den Eskapaden ist Astor schon gewesen und auf den Hämorriden, auch auf den Spirituosen, „aber das war eine Schnapsidee“. Wie gut, dass er auch noch andere Geschichten auf Lager hat. Zum Beispiel die über „Abraham und Betraham“ oder die Story, in der jedes Wort mit „A“ anfängt, in der es um Adalbert, Alabama, Außerirdische und „abgenudelte Abba-Aufnahmen“ geht. Noch Fragen? Vielleicht zu der Männerunterhose „mit hohem Stretch-Anteil“, auf der man „Rüsselsheim“ lesen kann? Die ist für alle Opel-Fahrer im Publikum. Ist doch logisch. Jeder bekommt, was er verdient: Astor viel Applaus, die Zuhörer eine besinnliche Zugabe.