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Im kommenden Jahr wird Cornelie Holzach die ethnographische Sammlung des Schmuckmuseums neu präsentieren.  Foto: Meyer 

Kulturausschuss: Sitzung beschäftigt sich mit Ornamenta, Kammerorchester, Museen und Archiv

Pforzheim. Es wird Zeit, höchste Zeit, dass das Kulturamt in die Puschen kommt. Denn, um es mit Stadtrat Hans Eckard von Laue (Grüne Liste) zu sagen: „Begeisternd war das nicht.“ Um was es geht?

Wiedermal um die Ornamenta und den Sachstandsbericht von Kulturamtsleiterin Angelika Drescher. Die stellt Sinn und Zweck des Vorhabens in ihrer Präsentation vor: „Die kreative DNA der Stadt zeigen: Schmuck_Design_Präzision_Innovation.“ Und weil’s so schön ist gleich noch etwas Denglisch: Zum „Braining“ will man sich ab August treffen und die Reihe „What if…“ dann im Oktober starten. Um im Sommer 2024 die 100-tägige Veranstaltungsreihe zu terminieren, an eingespielten Kulturorten und an „Off-Orten“. Frei nach dem Motto: „Neue Wege entstehen, indem man sie geht“, so das Schlussbild der Präsentation.

Von Laue ist wenig begeistert: „Wenn ich vorher nicht gewusst hätte, um was es bei der Ornamenta geht, ich wäre völlig ratlos gewesen, wie ich das jemandem hätte erklären sollen.“ Er vermisst das Feuer, zumindest in Teilen eine Konkretisierung: „Denn wie sonst finden Sie Anhänger, die diese Idee begeistert unterstützen?“ Kulturbürgermeisterin Sibylle Schüssler ist sich hingegen sicher: „Wir werden diese Begeisterung noch entfachen.“ Und Drescher beschwichtigt: „Ich kann Ihre Ungeduld ja verstehen, aber das müssen wir noch ein bisschen aushalten.“ Ab September und Oktober will sie dann die Fraktionen und die Ortschaftsräte informieren, im November mit der Beilage für den Gemeinderat fertig sein, der dann am 17. Dezember einen Beschluss fassen soll.

Und da sieht Kulturratssprecher Raphael Mürle ein mögliches Problem: „Wie soll man neuen, jungen Stadträten, die die erste Ornamenta vor 30 Jahren nicht erlebt haben, klarmachen, um was es geht?“ Das funktioniert seiner Meinung nach nur mit einer klaren Konzeption und Beispielen, was alles möglicht ist. „Man muss gut überlegen, wie man bei den Neuen das Feuer entfachen kann“, sagt Mürle.

Dorothea Luppold (SPD) und weitere Kolleginnen wünschen den neuen Gemeinderäten jedenfalls eines: „Die Kraft und die Weitsicht“, die Ornamenta auf die Schiene zu bringen. Auch wenn sie immer noch der verpassten Chance einer Kulturhauptstadt-Bewerbung nachtrauere: „Aber sei’s drum, ’s isch rum.“

Schmuckmuseum setzt auf Digitalisierung

Für Schmuckmuseumsleiterin Cornelie Holzach ist klar: „Wir müssen deutlich mehr mit den neuen Medien arbeiten.“ Als Pflicht sieht sie es in ihrer Präsentation vor dem Kulturausschuss an, „die Digitalisierung der Sammlungsbestände voranzutreiben, um sie sukzessive auch öffentlich bereitstellen zu können.“ Das macht das Museum bereits, unter anderem auf der Online-Plattform Google Arts, wo rund 60 Ausstellungsstücke optisch ansprechend präsentiert werden. Dadurch würden das Schmuck- und Technische Museum auch international bekannt. „Vielleicht reizt das doch den einen oder anderen, die Stücke im Original anzuschauen“, sagt sie. Das heißt aber auch, dass die vielen Werke für Online-Präsentationen und -Ausstellungen wissenschaftlich aufbereitet werden müssen, denn ein Foto allein genügt nicht. Was wiederum personal- und kostenintensiv ist. Künftig sollen die Besucher – über 30.000 im Schmuckmuseum und rund 10.000 im Technischen Museum im vergangenen Jahr – dann mit dem Smartphone in allen Ecken des Museums im Reuchlinhaus interessante Informationen erhalten können.