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Harald Hurst
Harald Hurst
18.12.2015

Kulturhaus Osterfeld: Gunzi Heil, Harald Hurst und 315 Zuschauer

Pforzheim. Grundverschieden, aber als Tandem unschlagbar: Piano-Kabarettist Gunzi Heil und Mundart-Dichter Harald Hurst sind seit vielen Jahren Publikumslieblinge – nicht weniger als 315 Zuschauer wollten sich die beiden im ausverkauften Kulturhaus Osterfeld nicht entgehen lasse.

Was ein gutes Team ausmacht? Wenn der eine schwächelt, dann bringt der andere eben etwas mehr als sonst. Harald Hurst laboriert im Kulturhaus Osterfeld offenkundig an einer Bronchitis. Doch trotz der gelegentlichen Hustenattacken treffen seine Texte und Pointen in badischem Dialekt genau den Nerv des Publikums. Und bei seiner ebenso lakonisch wie launig hingeworfene Bemerkung, seine Lesebrille sei nicht zu klein, sondern seine Ohren säßen eben zu weit hinten, kann sich auch Gunzi Heil ein herzhaftes Lachen nicht verkneifen. Der flachsblonde Karlsruher zeigt sich beim rasch improvisierten Malersaal-Song in großer Form: Er erklärt – mit „eimerweis Alpina-Weiß“ – den Namen der Spielstätte und bezieht flugs Zuschauer aus Hamburg, Eppingen und Dürrn in das aus dem Moment geborene Liedchen mit ein.

Organspende-Potpourri

Wenig später erhält Gunzi Heil tosenden Applaus, als er sein bekanntes Organspende-Potpourri aufgreift, bei dem er, wie gewohnt, George Michaels Weihnachts-Hit „I Gave You My Heart“ als „miesen Organhandel-Song“ abkanzelt, Peter Maffeys „Sieben Brücken“ durch „Krücken“ ersetzt, Ben E. Kings „Stand By Me“ mit dem Wort „Ballon-Stent“ zur musikalischen Gefäßstütze macht und den Klamauk-Song „Ba-Ba-Banküberfall“ der österreichischen Band E.A.V. in „Bandscheibenvorfall“ umtextet.

Nach humorigen Seitenhieben auf Metzgersfrauen und modische Lounges kommt das ungleiche Bühnen-Zweigespann über verbale Seitenhiebe auf ein anderes Leib- und Magenthema zu sprechen: Hackfleisch. Das man, so Gunzi Heil, immer gemischt – Rind und Schwein – kaufen solle: „Wegen des gestreuten Risikos“.

Harald Hurst schildert in der zweiten Auftrittshälfte seine hindernisreiche Weineinkaufsfahrt im 2CV. Bei der hat es ihn, so berichtet der Ettlinger Mundartdichter zur Freude der Osterfeld-Gäste, „durch den Sitz gehauen: Franzosenklump!“ Für die Zugabe findet der knitze Kautz Reime mit feiner dosiertem, nachdenklichem Humor: „Ohne Dich, wär’s Leben wie ein Zirkus, der zu hat. Ohne Dich, wär ich nichts – nur ein Mann, der Ruh’ hat“.