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20.04.2008

Kulturnacht lockt tausende Besucher an

PFORZHEIM. Das Experiment der ersten Pforzheimer Kulturnacht „01:pf:kult“ ist gelungen: Tausende Besucher erfüllten die Goldstadt und deren kulturelle Einrichtungen am Samstagabend mit Leben und verschafften sich bei ihrer individuellen Kultur-Tour einen Eindruck davon, wie facettenreich das Pforzheimer Kulturleben ist.

„Einfach überwältigend!“ Osterfeld-Chef Gerhard Baral brauchte nur zwei Worte, um die erste Pforzheimer Kulturnacht, die unter dem Titel „01:pf:kult“ organisiert worden war, freudestrahlend zu kommentieren. Die Begeisterung Barals kam freilich nicht von ungefähr: Tausende Kulturinteressierte waren am Samstagabend in der Goldstadt unterwegs, um sich bei der Kultur-Tour ein Bild von der kulturellen Vielfalt Pforzheims zu machen – viele dieser Pilger strömten dabei auch in das Kulturhaus Osterfeld und sorgten nicht nur beim Clowntheater im Osterfeld-Aufzug für lange Warteschlangen. Am Ende der facettenreichen Kulturnacht, die anstelle der seither organisierten Museumsnächte auf die Beine gestellt worden war, waren viele der Beteiligten daher mit Kulturamtsleiterin Isabel Greschat einer Meinung: Das Experiment ist rundum gelungen – eine Wiederholung absolut erstrebenswert.

In einer bislang nie dagewesenen Vielfalt präsentierten die Museen und Kultureinrichtungen der Stadt, was sie zu bieten haben. Dabei waren es nicht nur die großen und namhaften Orte, wie Stadttheater, Schmuckmuseum und -welten oder aber Kulturhaus Osterfeld, die Besucher in Hülle und Fülle lockten. Gerade auch die kleinen Kulturplätze wie beispielsweise Galerie Huthmacher, Atelier Anina Gröger, Kupferdächle, Konsumat oder DDR-Museum, zogen eine Vielzahl von Besuchern unterschiedlichen Alters an und schafften es, sich im bunten Reigen der Pforzheimer Institutionen glanzvoll zu präsentieren und deutlich zu machen: Qualität hat nichts mit Größe zu tun.

Unglaublich große Vielfalt

„Die Vielfalt ist einfach unglaublich“, bescheinigten nicht nur Andrea und Martin Henschel, die die kompletten sechs Stunden zwischen 19 und 1 Uhr nutzten, um das bunte Kulturspektrum in möglichst großem Umfang zu erfahren. „Was uns begeistert: Man ist nicht nur Besucher und Zuschauer, sondern kann mancherorts auch selbst zum Akteur werden“, so das junge Ehepaar, dem es vor allem Spaß machte, abseits der vielen Präsentationen zu lateinamerikanischen Rhythmen auch einmal selbst das Tanzbein zu schwingen.

Waren es an einem Ort jazzige Klänge, die Musikliebhaber wie beim Konzert mit „TriJo“ im Brötzinger „domicile“ begeisterten, so sorgten andernorts Darbietungen klassischer Musik für Entzücken. Hier bildende Kunst, dort Tanz; hier Mode, dort Technik; hier Theater, dort Lesung: Allerorten hatten sich die Beteiligten große Mühe gegeben, um den Besuchern der ersten Pforzheimer Kulturnacht mehr zu bieten, als das hinlänglich bekannte Angebot – und der Einsatz wurde belohnt, wie die Besucherzahlen zeigten. Freilich: Nicht überall war der Zuspruch so enorm wie in den großen Einrichtungen, die mit einem großen Angebotsspektrum aufwarteten. Selbst in den eher abseits gelegenen Ausstellungsorten herrschte aber von Anfang bis Ende guter Zuspruch.

Nicht zuletzt am archäologischen Schauplatz Kappelhof wurden fast 250 Besucher gezählt. Damit lag die Besucherzahl zwar etwas hinter denen früherer Museumsnächte, die Verantwortlichen waren aber dennoch recht zufrieden. Grund: Angesichts der größeren Zahl an beteiligten Einrichtungen hätten sich die Besucher eben auch stärker verteilt.

Langeweile? Fehlanzeige!

Was vielen der Kulturnachtbesucher im Vergleich zu den früheren Museumsnächten besonders gut gefiel: Das Rahmenprogramm war abwechslungsreicher und spannender. Ob synästhetische Modenschau in der Pforzheim Galerie, außergewöhnliche Klangerlebnisse im Schmuckmuseum oder das beeindruckende Stabpuppenspiel „Dundu“ im Park vor dem Reuchlinhaus nebst schillernder Modepräsentationen der Fakultät für Gestaltung an der Hochschule Pforzheim: Für Langeweile gab es keinen Raum.

Begrüßt wurde von den meisten Besuchern, dass es wieder einen Shuttle-Service mit Bussen zu den zahlreichen Kulturorten gab. Allerdings habe der Transport nicht immer wie geplant geklappt. „Da sind noch erhebliche Verbesserungen nötig“, so Peter Meinhardt, der – vor allem zu Beginn der Kulturnacht – die Kapazitäten als zu gering einschätzte. „Da müssten mehr Busse fahren.“ Sein Vorschlag: Nicht nur die eingesetzten Busse der Firma Eberhardt sollten mit dem Kulturnachtticket kostenlos nutzbar sein, sondern auch die städtischen Linien: „Ich denke, das würde zumindest für erhebliche Entspannung in den Hauptstoßzeiten sorgen.“ Sehr positiv wurde der geringe Preis von gerade Mal drei Euro für das Kulturnachtticket von den Besuchern bewertet: „Das ist fast schon zu günstig“, so Christina Schwerdter, die angesichts des großen Angebots gerne auch gerne etwas mehr berappen würde, „denn ein solches Spektrum zu diesem Preis, das bekommt man sonst sonst nirgendwo.“ Sie hofft wie viele der anderen Besucher, dass es bald eine Wiederholung der Veranstaltung gibt, denn: „Besser lässt sich die kulturelle Vielfalt Pforzheims kaum darstellen.“