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Die Initiatoren Gerhard Baral (links) und Sebastian Seibel mit einem Plakat von Linda Wendel, Visual Artist.  Foto: Seibel 

Kulturszene zeigt Gesicht: Selbstständige machen auf coronabedingte Nöte aufmerksam

Pforzheim. Sie sind die Stars bei Veranstaltungen. Solo-Selbstständige fungieren aber auch als Dienstleister: in der Technik, im Messe- und Bühnenbau, bei Eventagenturen, Caterern, Sicherheitsunternehmen und Zulieferern. Die „Kulturgesichter“ stehen auf der Bühne oder arbeiten hinter den Kulissen von Shows, Konzerten und Partys. Doch ohne sie ist’s still. Einige stellt die PZ bereits in einer gleichnamigen Serie vor.

Nun gibt eine weitere Aktion der Branche ein Gesicht, um auf die andauernde prekäre Lage der Solo-Selbstständigen aufmerksam zu machen. Dabei schließen sich Kulturschaffende in Pforzheim und der Region der bundesweiten Aktion „Kulturgesichter“ an. Denn die seit März bestehenden Corona-Verordnungen sowie der erneute Lockdown bringen sie weiter in Bedrängnis. Wegen des faktischen Veranstaltungsverbots steht die Kultur- und Live-Branche still.

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"Ohne uns ist's still" - Kulturschaffende machen mit Aktion auf Krise aufmerksam

Auf Initiative von Gerhard Baral von Baral & Partner Events erhalten mit dem Projekt „#kulturgesichter 0723“ viele Einzelschicksale eine öffentliche Präsenz. Große Plakate mit Porträts, die der Fotograf Sebastian Seibel aufgenommen hat, sollen noch vor Weihnachten auf den 33 Kultursäulen in der Stadt zu sehen sein. Das Kulturamt Pforzheim unterstützt dies und kümmert sich mit dem Kulturrat ums Plakatieren.

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Kultur+

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Die Kultur ist der sechstgrößte Wirtschaftszweig in Deutschland, mit 174 Milliarden Euro Jahresumsatz und über 1,8 Millionen Beschäftigten. Auch in Pforzheim und in der Region gibt es viele Betroffene.

„Jedes Kulturgesicht ist ein einzelnes Schicksal und steht stellvertretend für Viele, die hinter dem andauernden Veranstaltungsverbot stark leiden und ihren Job oder Beruf nicht mehr ausüben dürfen. Ein Ende dieser Situation ist für alle ohne passgenaue Hilfen und Stufenplänen zur Lockerung der andauernden Veranstaltungsverbote, leider nicht in Sicht“, sagt Kulturbürgermeisterin Sibylle Schüssler.

Sie stehe daher mit Repräsentanten der Landes- und Bundesregierung in Kontakt.

Das Kulturamt versucht, Vermittler und Ansprechpartner zu sein. „Wir sind überzeugt davon, dass Kultur, gerade in unserer Stadt und in unserer Region, weit mehr als eine anonyme Branche ist“, sagt Kulturamtsleiterin Angelika Drescher. Die große Bandbreite der Porträtierten illustriere, wofür sie mit ihrem Engagement und mit ihrer Profession stehen. „Sie zeigen ihre Gesichter, um das Ausmaß dieser Krise sichtbar zu machen“, so Alexander Weber.

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Kultur

Künstler René Dantes vermisst die Menschen – kommt aber recht gut durch die Krise

Alle Beteiligten freuen sich über die spannende Mischung und die spontanen Zusagen von 35 Kreativen. So konnten Baral und Seibel das Projekt innerhalb von zwei Wochen umsetzen. Besonders die Fotoshootings hätten wegen der Kontaktbeschränkungen eine logisti-sche Meisterleistung erfordert. „Das Echo ist sehr groß“, so Baral. „Wir haben bis jetzt schon das Interesse von mehr als 100 professionellen Kulturschaffenden aus allen Bereichen.“ Die Plakate sollen die Säulen bis 10. Januar schmücken. Womöglich länger, „da die Kultur wohl weiter stillstehen muss“, befürchtet Baral. Wenn nach all dem ehrenamtlichen Engagement geklärt sei, wer die künftigen Kosten übernimmt, „sind wir gerne bereit, das Projekt weiterzuführen“.

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Das Projekt ist zu finden auf www.facebook.com/kulturgesichter0723 und www.facebook.com/kulturamt.pforzheim, bei Instagram unter @kulturamtpforzheim sowie im Internet auf www.pforzheim.de/kultur. Nach und nach werden weitere Porträts auf den Kanälen veröffentlicht.

Michael Müller

Michael Müller

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