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Eine Vielzahl von Werken Stephan Wolters ist in der Ausstellung im Hohenwart Forum zu sehen, die morgen mit einem Art-Gottesdienst eröffnet wird. Foto: Ketterl
Eine Vielzahl von Werken Stephan Wolters ist in der Ausstellung im Hohenwart Forum zu sehen, die morgen mit einem Art-Gottesdienst eröffnet wird. Foto: Ketterl
24.11.2017

Kunst von Stephan Wolter im Hohenwart Forum: Paukenschlag zum Schluss

Pforzheim. Wie soll man die Kunst von Stephan Wolter beschreiben? Klar, abstrakt ist sie und doch voller Leben. Genau beobachtend, nimmt der Künstler seine Umgebung, vor allem Architektur und Räumlichkeit, in den Blick. Und bei aller Reduktion auf Linie und Fläche, auf grafisches Element und meist fein abgestimmte Farbigkeit, haftet den Werken von Stephan Wolter eine Sinnlichkeit an, die auch auf sein großartig abwägendes Spiel von Untergrund und Farbauftrag, von Struktur und Pinselduktus zurückgeht. Vor 15 Jahren hat der lange in Pforzheim lebende und arbeitende Künstler im Hohenwart Forum ausgestellt – die nun zu sehende, von Krisztina Jütten kuratierte Schau wirft einen Blick auf die künstlerische Entwicklung der vergangenen eineinhalb Dekaden.

Da sind einerseits die wunderbar zarten Arbeiten auf Papier, die oft erst beim genauen Hinsehen ihre wahre Vielschichtigkeit offenbaren. Wie bei vielen seiner Werke lässt sich die Entstehung erahnen: Wolter zeichnet, übermalt, nimmt weg – immer neugierig, immer experimentierfreudig, immer auf der Suche, wie sich die Kräfte im jeweiligen Werk entfalten. „Es ist ein rein bildnerisches Denken, das in diesem Arbeitsprozess steckt“, sagt die Kunsthistorikerin. Wobei, so Jütten, die Oberflächenstrukturen, „die Bildhaut“, in den vergangenen Jahren verstärkt in den Fokus rücken. Insgesamt 42 Positionen sind in Hohenwart zu sehen – oft als Kleinserien angelegt, etwa in den sechs Arbeiten der Reihe „Transfer“ aus dem Jahr 2004, in denen Wolter fast schon erzählerisch wird. Denn als Blick aus dem Zugfenster auf vorbeiziehende Landschaften und Menschen am Bahnsteig lassen sich die Bilder lesen, die in der Kapelle des Hohenwart Forums mit ihrer meditativen Grundstimmung einen besonders schönen Platz gefunden haben.

Überhaupt ist der Ausstellungsrundgang spannungsvoll aufgebaut: Er beginnt mit sehr zurückgenommenen, nur sanftfarbigen Arbeiten, die vor allem Grau- und Grüntöne in allen Schattierungen erforschen. Doch zum Ende hin wird Wolter mutiger, was sein Spiel mit Farbe anbetrifft. Gerade in den neueren Arbeiten setzt der in Aalen lebende Künstler auf starke Farbkontraste, ohne dabei sein subtiles Abwägen zwischen strenger Komposition und fast spielerischen Elementen zu vernachlässigen. Reizvolle Blickachsen ergeben sich dabei zwischen den leisen Zeichnungen und den fast schon lautstarken Acrylgemälden auf Holz oder Leinwand, die in der sehenswerten Ausstellung einen kraftvollen Schlusspunkt setzen.