nach oben
Licht sorgt für Spannung in Andrea del Verrocchios „Maria mit Kind und zwei Engeln“ (um 1467/69).
Licht sorgt für Spannung in Andrea del Verrocchios „Maria mit Kind und zwei Engeln“ (um 1467/69).
Die Ausstellung in der Alten Pinakothek München deckt „Florenz und seine Maler – Von Giotto bis Leonardo Da Vinci“ ab. Foto: Alte Pinakothek/dpa
Die Ausstellung in der Alten Pinakothek München deckt „Florenz und seine Maler – Von Giotto bis Leonardo Da Vinci“ ab. Foto: Alte Pinakothek/dpa
Altarbild des Meisters Sandro Botticelli „Anbetung des Kindes durch die Heiligen Drei Könige“ (1475). Die Komposition gibt nicht das Spektakel ihrer Ankunft, sondern eine ruhige Zeremonie wieder. Jedes Gesicht ist wie ein Porträt ausgearbeitet.
Altarbild des Meisters Sandro Botticelli „Anbetung des Kindes durch die Heiligen Drei Könige“ (1475). Die Komposition gibt nicht das Spektakel ihrer Ankunft, sondern eine ruhige Zeremonie wieder. Jedes Gesicht ist wie ein Porträt ausgearbeitet.
Darstellung mit Händen: Das „Bildnis einer Frau“ (Sandro Botticelli, 1470-75) erzeugt die Illusion einer Begegnung.
Darstellung mit Händen: Das „Bildnis einer Frau“ (Sandro Botticelli, 1470-75) erzeugt die Illusion einer Begegnung.
07.11.2018

Kunstrevolution der Renaissance: Claudia Baumbusch gibt Einblicke in die Florentiner Werke

Pforzheim. Wie sehr die Renaissance heute noch fasziniert, zeigte sich am Montagabend allein beim Blick ins PZ-Forum: ausverkauft. Und auch die aktuelle Ausstellung „Florenz und seine Maler – Von Giotto bis Leonardo Da Vinci“ in der Alten Pinakothek in München illustriert diese Begeisterung.

Kunsthistorikerin Claudia Baumbusch stellte herausragende Werke der Schau vor und erklärte, welche Innovationen die Künstler auslösten – von den Wegbereitern bis zur Blüte der Malerei zu Zeiten der Medici-Dynastie. Ihr durch Textilhandel entstandener Reich- und Mäzenatentum prägte diese reiche Epoche.

Als einer der großen Wegbereiter gilt Giotto (um 1270-1337). Schon etwa 100 Jahre vor der Renaissance zeigen seine Altartafeln, wie er zuvor stets flächig und silhouettenhafte Körper ins Voluminöse führt. Behutsam modellierte Gewänder erhalten erstaunliche Plastizität. Und Giotto zeigt Emotionen, Regungen in Mimik und Gestik der religiösen Gestalten. Es sind erste Darstellungen der Menschlichkeit in der Kunst, bevor die Renaissance den Menschen vollends in den Mittelpunkt, in seine irdische Umgebung rückte.

Einsatz von Zentralperspektive

Während Lorenzo Monacos naturgetreue Darstellung „Maria mit Kind“ im Jahr 1407 eine kaum da gewesene Nähe zur Wirklichkeitserfahrung des Betrachters erzeugt, stellt Masolino da Panicale knapp 30 Jahre später eine stillende Gottesmutter dar, als Zeichen der Menschwerdung Christi. Der mit exakter Beobachtungsgabe plastisch-kraftvoll gestaltete Kinderleib verdeutlicht sein Interesse an Dreidimensionalität und Bewegung. Fra Filippo Lippis Marien-Darstellung (um 1460/65) zielt noch deutlicher auf Realitätsnähe ab, in faszinierendem Zusammenspiel mit dem Jesusknaben. „Die Mutter Gottes wird zunehmend diesseitiger“, sagte Baumbusch. Zudem bettet er die Szene in eine Landschaft ein. „Das Gemälde als Fenster in eine andere Welt“, erklärte die Kunsthistorikerin. Seine früher entstandene „Verkündigung Mariae“ ist mit kunstvoll ausgearbeiteter Zentralperspektive, einem Fluchtliniensystem, gestaltet – auch das eine Innovation.

War zuvor die Büste im Profil der für Frauen übliche, auf Distanz zielende Modus der Malerei, so erzielt Sandro Botticelli im „Bildnis einer Frau“ (1470-75) die Wirkung einer Begegnung: mit ins Bild einbezogenen Händen und dem scheinbar spontanen Blickkontakt mit dem Betrachter.

Wie Andrea del Verocchios „Maria mit Kind und zwei Engeln“ fasziniert Leonardo da Vincis „Madonna mit Nelke“ (um 1475) durch spannenden Umgang mit Licht und Begeisterung für haptische Qualitäten sowie konsequent zentralperspektivisch gestaltetem Blick in den Raum. Mit zunehmender Entfernung wird die Landschaft immer unschärfer. Auffallend ist auch sein Umgang mit reicher Farbigkeit, die Gewänder kommen geradezu sanft rüber.

Deutlich wird: Mit Fantasie und einer Kultur der Kreativität machten sich die Florentiner Künstler zugleich die Ergebnisse von Wissenschaft und Technik zunutze.