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Auch Schmunzeln ist erlaubt in der Ausstellung: Kuratorin Krisztina Jütten mit Sylvia Kiefers Installation aus Ton und Fundstücken „Luthers Lächeln“. Foto: Meyer
Auch Schmunzeln ist erlaubt in der Ausstellung: Kuratorin Krisztina Jütten mit Sylvia Kiefers Installation aus Ton und Fundstücken „Luthers Lächeln“. Foto: Meyer
Mit dem Bildnis Luthers spielt die Künstlerin IngOhmes. Foto: Jütten
Mit dem Bildnis Luthers spielt die Künstlerin IngOhmes. Foto: Jütten
28.03.2017

Kunstwettbewerb zum Thema „reFORMATion“ im Forum Hohenwart

Pforzheim. Sammelausstellungen sind, das liegt in der Natur der Sache, leicht vom Begriff des Sammelsuriums bedroht. Die riskante Form einer wünschenswerten Gemeinsamkeit wird im Forum Hohenwart auf zwei verschiedene Arten gebändigt: Man hat ein Thema vorgegeben, und man hat die zum Wettbewerb eingesandten Arbeiten – zur Teilnahme aufgefordert wurden alle, die in 25 Jahren Kunstausstellungen in Hohenwart dabei waren – vor der Präsentation juriert, also sie bereits so etwas wie einen Filter durchlaufen lassen. Herausgekommen ist unter dem Thema „reFORMATion“ eine vielfältige und vielschichtige Bilderwelt mit den unterschiedlichsten Quellen der Inspiration und deren auch formal manchmal fast widerstreitenden Sichten auf das, was die Reformation bewirkt und in den Menschen freigesetzt hat.

Das Material, aus dem Kunst hier besteht, ist ungeheuer differenziert – und selbst im Vertrauten lässt sich Überraschendes entdecken. Im Forum Hohenwart ist eine Kunstausstellung gelungen, die nicht nur an das Auge appelliert, sondern auch das Herz einbezieht – und bei der das geistige Sparprogramm mancher Präsentationen glücklicherweise nicht greift. Hier wird der Besucher bei jeder der 25 Arbeiten vor die Frage des Entzifferns und vor die Aufgabe der eigenen Standortbestimmung gestellt: Ein bei aller Unterschiedlichkeit der Arbeiten inneres Zusammenspiel.

Nicht unwesentlichen Anteil an der Möglichkeit der konzentrierten Teilhabe und des kommunikativen Austauschs hat die Vorgabe des Wettbewerbs, der anlässlich des Reformationsjubiläums ausgeschrieben wurde. Das Forum Hohenwart als traditioneller Ort des Dialogs zwischen Kunst und Theologie bot sich zur Ausrichtung einer solchen Ausstellung geradezu an, und die Kunsthistorikerin Krisztina Jütten hat als Kuratorin dazu ein Konzept entwickelt, das auf der Basis der Reformation um die Themenfelder Freiheit und Verantwortung, Gemeinwesen, Öffentlichkeit und Politik, sowie Religion und Spiritualität kreist. Das verlangt nicht nur vom Künstler eine geschärfte Wahrnehmung für das eigene Werk – ohne dass dabei Antworten auf aktuelle Fragen von ihm erwartet werden –, es nimmt auch den Betrachter mit in einen inneren Dialog.

Viele Fragen richten sicher gerade heute an Kirche und Politik. So sollte die Ausstellung nicht in erster Linie unter dem Aspekt „Was hat er getan? Was hat er bewirkt?“ auf einen Mann zielen, der auf vielen Gebieten prägend nicht nur für Deutschland, sondern für Europa war, sondern die Suche nach möglichen Perspektiven für ein christlich und humanistisch geprägtes Handeln und Menschenbild in den Mittelpunkt stellen. Ohne die Vergangenheit, ohne die Kenntnis der Wurzeln, ist dies aber nicht möglich. Und so haben einige der in Hohenwart vertretenen Künstler sich auf die historische Gestalt Martin Luther konzentriert, andere beispielsweise die aktuelle Flüchtlingssituation mit der vorgegebenen Thematik verknüpft. Gerade in einer Zeit, in der der Boden für den Schwachen noch schwankender wird, geht es vielen um Werte für den Umgang miteinander. Auch das Thema Freiheit gerät dabei ins künstlerische Visier: Sie muss gewährleistet, aber sie darf nicht grenzenlos sein und niemals grenzenlos werden. Andere Arbeiten suchen die Verbindung Vergangenheit/Gegenwart, erweitern die Dimension von Zeit und Raum, viele bemühen sich um eine neue Wahrnehmung von Erfahrungen, die auch durch die Springflut des Wandels nicht fortgetragen werden, und schließlich fließt auch Meditatives in die Arbeiten ein.

„Humanismus ist geil“

Dieses Netzwerk aus persönlichen Empfindungen, von Wissen, Zweifeln, Sicherheit und Wünschen für die Zukunft in seinen unterschiedlichen Ausdrucksformen macht diese Ausstellung so faszinierend. Zeichnung, Malerei, Collage, Objekt und Objektbild, Fotografie, Federzeichnung, Installation, Holzschnitt und Linoldruck – fast alle Techniken sind vertreten, oft in mehrteiliger Form. Mitten drin „Humanismus ist geil“ – eine Lichtinstallation in einem Kasten, den fast alle kennen: So wurden und werden die Nummern der Kirchenlieder angegeben.