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Fast dreißig Jahre hat es gedauert, bis das Königliche Kurtheater wieder im alten Glanz erstrahlt.  pm
Fast dreißig Jahre hat es gedauert, bis das Königliche Kurtheater wieder im alten Glanz erstrahlt. pm
Gerd Müller (von rechts) vom Förderverein des Theaters, SWDKO-Fördervereinsvorsitzende Ilka Knoth und SWDKO-Geschäftsführer Andreas Herrmann freuen sich auf das Doppelkonzert, das am Sonntag stattfindet.  Seibel
Gerd Müller (von rechts) vom Förderverein des Theaters, SWDKO-Fördervereinsvorsitzende Ilka Knoth und SWDKO-Geschäftsführer Andreas Herrmann freuen sich auf das Doppelkonzert, das am Sonntag stattfindet. Seibel
08.09.2016

Kurtheater in Bad Wildbad glänzt wieder in alter Pracht

Mit einem Ziel vor Augen gehen auch große Anstrengungen leicht von der Hand. So eine große Anstrengung war zum Beispiel die Renovierung des Königlichen Kurtheaters im Kurpark vom Bad Wildbad. Aber das Ziel stand fest: Aus dem maroden Gebäude wieder ein bauliches Schmuckstück machen – um darin Opern, Schauspiel oder Kabarett zu veranstalten.

Das hat funktioniert – nur die Auslastung könnte besser sein.

„Das Gebäude ist einfach zu schade, um nur an zwei Wochen im Jahr bespielt zu werden“, sagt Gerd Müller vom Förderverein. Denn während des Festivals „Rossini in Wildbad“ ist das Theater ein beliebter und exklusiver Aufführungsort für die Opernaufführungen. Aber sonst im Jahr herrscht Leere. Das soll sich jetzt ändern. Den Anfang macht an diesem Sonntag ein Konzert des Südwestdeutschen Kammerorchesters aus Pforzheim (SWDKO).

Es soll der Startschuss sein zu mehr Leben im besonderen Gebäude. Denn ein Kleinod ist das Theater wirklich – und Ausdruck der ständigen Wertschätzung Wildbads durch die Könige von Württemberg. König Karl erwählt den Ort im 19. Jahrhundert für seine Sommerfrische. Rege Bautätigkeit folgt. Und wo ein König weilt, darf ein Theater nicht fehlen.

Das Kurtheater wird 1864 errichtet, oft umgebaut, entwickelt sich zu einem Treffpunkt der guten Gesellschaft. Rund hundert Jahre später ist davon wenig übrig. 1967 bahnt sich ein Epochenumbruch an. Das Theater wird aufgegeben – und dient fortan den Gärtnern als Unterschlupf für ihre Palmen. Direkt an der Enz ist es feucht. „Der Schimmel hat sich bis unters Dach gefressen“, sagt Müller. Er ist Theaterfachmann, hat jahrelang als technischer Leiter beim Stadttheater Pforzheim gewirkt. 1987 soll das Wildbader Theater abgerissen werden. Doch da kommt der Zufall ins Spiel. Der Pianist Justus Frantz kuriert sich in Wildbad aus, entdeckt beim Spaziergang im Park hinter Bäumen den Bau. Und setzt den Startpunkt zu einer denkmalpflegerischen Erfolgsgeschichte.

Es gibt noch genug zu fördern

Erst in diesem Jahr ist das Theater komplett renoviert. Insgesamt sind 3,5 Millionen Euro in den Bau geflossen. Aber so wirklich fertig ist ein Förderverein nie. Im Winter muss geheizt werden wegen des Stucks – und vielleicht lässt sich manche Funktion der historischen Bühne noch wiederbeleben? Das SWDKO hilft von Anfang an, spielt schon 2002 ein Benefizkonzert – und jetzt wieder. Passend zum Ort erklingen mit der Sopranistin Maria Rosendorfsky königliche Stücke – ein Werk von Friedrich II. von Preußen zum Beispiel. Und das zu gleich zwei Zeiten: nachmittags und abends. Möglich gemacht hat das Konzert der Förderverein des SWDKO. Ob sich das Projekt realisieren ließe, wollten SWDKO-Geschäfstführer Andreas Herrmann und die Fördervereinsvorsitzende Ilka Knoth bei einer Ortsbegehung im kalten Frühjahr wissen. Es muss gehen, hat Knoth gedacht: „Denn meine Begeisterung für das Gebäude war noch größer als gedacht.“