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Gibt politische Statements ab: Kabarettist Lars Reichow. Läuter
Gibt politische Statements ab: Kabarettist Lars Reichow. Läuter
28.11.2017

Kurzweilig, klug und spitzbübisch: Lars Reichow im Osterfeld

Pforzheim. „Lars Reichow begeistert Zehntausende im Osterfeld.“ Ja ok, wer den großen Saal des Kulturhauses kennt, der weiß, dass diese Behauptung einzig nach Trumpschem Zahlenermessen zustande gekommen sein kann, wie der Kabarettist, Moderator und Pianist Lars Reichow es formuliert.

Aber was soll’s. Wir leben doch alle in derselben postfaktischen Zeit und von der Presse ist man schließlich gewohnt, angeschwindelt zu werden, nicht wahr? Also Schwamm drüber und munter weitergelesen, denn wer am Freitagabend nicht das neue Bühnenprogramm „Lust“ des Mainzer Kabarettisten erlebt hat, hat definitiv etwas verpasst. Seit mehr als drei Jahrzehnten steht dieser bereits auf der Bühne und das mit einer gehörigen Portion trockenem Schabernackhumor.

Kurzweilig, klug und spitzbübisch kommt Reichows neues Programm daher. Zuweilen geht es bei „Lust“ harmlos, fast schuljungenhaft zu, wenn er etwa darüber singt, dass er Schokolade doch irgendwie den Frauen immer vorgezogen hat. Dann wieder spitzfindiger, etwa wenn er erzählt, in welchen Hundeorganisationen er und seine Frau sich engagierten, seitdem sie über die polnische Internetseite Welpskaja einen dreiläufigen Straßenhund adoptiert haben.

Aber Reichow gibt ebenso ziemlich klare politische Statements ab, beispielsweise zum Thema AfD. Nur, was macht man? Reden habe nicht geholfen, deshalb versuche er es mit singen. Auch hier findet er deutliche, nicht immer freundliche Worte für deren Anhänger – und am Ende doch wieder einen hoffnungsvollen Satz: „Ich weiß, dass man mit Menschlichkeit nichts falsch machen kann.“ Viel und langen Applaus hat er dafür von seinem Pforzheimer Publikum erhalten.

Und an dieser Stelle sei fairnesshalber noch erwähnt, dass Reichow auch die anderen Parteien nicht mit seinem Spott verschont. Er kenne keine andere Partei, die ihre Niederlagen so akribisch vorbereite wie die SPD.

Dass die Sondierungsverhandlungen gescheitert sind, finde er schade. Auch auf Usain Bolt habe er sich gefreut, denn dessen Benennung zum deutschen Sportminister habe ja bereits so gut wie fest gestanden. Ein Jammer.