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Ein Mann, ein Wort – seine Frau, eine Stimme: Vince Ebert spielt sich auf der Osterfeld-Bühne verbale Bälle mit Sprachassistentin Val zu. Deren Stimme gehört im echten Leben Eberts Ehefrau Valerie Bolzano. Foto: Bechtle
Ein Mann, ein Wort – seine Frau, eine Stimme: Vince Ebert spielt sich auf der Osterfeld-Bühne verbale Bälle mit Sprachassistentin Val zu. Deren Stimme gehört im echten Leben Eberts Ehefrau Valerie Bolzano. Foto: Bechtle
02.10.2017

Kurzweiliges Kabarett mit Vince Ebert im Kulturhaus Osterfeld.

Pforzheim´. Schlaksig wirkt Vince Ebert auf der Bühne vor gut 400 Besuchern im großen Saal des Kulturhauses Osterfeld. Ein Mann im Anzug, dickes Brillengestell, kurzes, zerzaustes Haar. Typ Wissenschaftler – auf den ersten Blick. Trocken ist der abendfüllende Vortrag des diplomierten Physikers, der seit bald 20 Jahren auf der Bühne steht, allerdings nicht. Trocken ist nur sein Humor. Spielerisch-eloquent setzt sich der Kabarettist und Autor in seinem kurzweiligen Programm „Zukunft is the future“ mit – ja genau – der Zukunft, die auf englisch gleich nochmals so wichtig klingt – auseinander.

Ein Quentchen Physik, ein Schuss Biologie, ein wenig Komik und der Zuhörer lacht nicht nur, sondern lernt auch. Zumindest kurzfristig, denn die Fülle der Fakten, die der 49-Jährige ausschüttet ist üppig. Ob es nun um die Partnerwahl im Internet, ehemalige Fortbewegungsmittel im amerikanischen Gesundheitssystem, Mozarts Einschätzung eines perfekten Tages oder gar das Wohl und Wehe der Unsterblichkeit geht – aufpassen ist angesagt. Sonst verliert man den Faden. So wie Ebert, der dann allerdings zuverlässig von seinem virtuellen Sidekick Val – einer zuweilen auch zickigen Sprachassistentin – wieder in die Spur gebracht wird. Die wohlklingende Stimme gehört im echten Leben Eberts Ehefrau Valerie Bolzano, mit der er in Frankfurt-Sachsenhausen lebt. Die österreichische Schauspielerin hat er analog kennengelernt. Altmodisch? Vielleicht, aber zumindest hat es funktioniert. Anders als der nicht ganz ernst gemeinte Versuch, per Computerauswahl direkt im Saal ein Pärchen zu verkuppeln. Unsicher ist sich Ebert übrigens auch, ob sich selbstfahrende Autos tatsächlich durchsetzen. Denn: „Einen fahren lassen ist nicht cool.“

Am Ende bleibt die Erkenntnis: Keine Ahnung, was die Zukunft bringt. Aber mit Neugierde, Fantasie, Improvisation und Erfindungsgeist wird die Menschheit sie gestalten. Oder, um es mit Ebert zu sagen, der den ersten Teil des Satzes John F. Kennedy zuordnet: „Innerhalb dieser Dekade fliegen wir auf den Mond – oder vielleicht auch auf die Fresse. Aber Schrammen sind sexy. Angstschweiß nie.“

Als Zugabe gibt Ebert Fragen zum Besten, die ihm nach Auftritten gerne gestellt werden. Ganz oft höre er: „Wie können Sie sich so viel Text merken?“ Die Spannung im Saal steigt. Wird der Mann aus dem Odenwald es verraten? Endlich enthüllen, was das Geheimnis der Schnell- und Vielsprecher der Nation ist? „Ich übe das vorher“, sagt Ebert. Eine trockene Pointe und Abgang. Gut gemacht.