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07.04.2008

Kuschelig-intimes Rockkonzert

NIEFERN-ÖSCHELBRONN. Clubkonzerte sind chic. Aug’ in Aug’ mit dem verehrten Musikstar – das hat schon was. Doch Karten für Clubkonzerte sind entweder teuer oder schwer zu ergattern.

Und so erwies sich der Gig in der Nieferner Kirnbachhalle gleich als dreifacher Glücksfall: Intime Atmosphäre, „schlangenlose“ Abendkasse und faire Eintrittspreise. Zu diesem fast schon kuscheligen Rockkonzert gaben sich die Superstars der 70er, die Altmeister des Rock, die schottischen Legenden von „Nazareth“ die Ehre. Mit Sänger Dan McCafferty und Bassist Pete Agnew sind noch zwei der Ursprungsformation von 1968 unterwegs auf der „40th Anniversary World Tour“.

Bewährte Altrocker

Und um es vorweg zu nehmen: Die beiden Herren im Beinahe-Rentenalter machen den Youngsters Lee Agnew (Drums) und Jimmy Murrison (Gitarre) allemal was vor – sowohl was Musikalität, als auch Bühnenpräsenz betrifft. Da scheint es fast schon „fishing for compliments“ zu sein, wenn McCafferty einen „Song from 150 years ago“ ankündigt: Denn mit so viel Drive, wie Nazareth beim berühmten „Razamanaz“ gleich zu Beginn losrockt, das hat wenig mit Altersschwäche zu tun. Sicher, Silberlocke Dan McCafferty und Glatzkopf Pete Agnew sieht man die 61 Jahre, die sie auf dem Buckel haben, an – anhören kann man ihnen das Alter allerdings nicht. Denn McCaffertys Stimme klingt unglaublicherweise immer noch so wie in den 70ern, ohne Druck nimmt er alle Höhen, singt warm und rund in den Tiefen. Dass „Naz“ dabei kein Bühnenfeuerwerk à la Jagger und Co abbrennt ist verzeihlich, wenn auch an diesem Abend manchmal der Eindruck entstand: „Wer sich zuerst bewegt hat verloren“. Und dies sowohl auf, als auch vor der Bühne.

Das mag natürlich auch daran liegen, dass das Quartett mit gleich vier Songs aus der neuen CD „The Newz“ sich auf für die Fans noch unbekanntes Terrain wagt. Doch nach fast zehn Jahren Platten-Abstinenz – von der Wiederverwertung alter Titel mal abgesehen – ist Naz mit „The Newz“ ein Album gelungen, das die Stärken der Band bewahrt und einen modernen Sound draufsetzt: Erdiger Rock, fetter Blues, ein bisschen Hardrock und einige sanfte Töne. Und natürlich ein wenig Pop, wie bei der eingängigen Nummer „A Day at the Beach“, die fast nahtlos beim Konzert an die alten Hits wie „Razamanaz“ und „This Flight Tonight“ anknüpft. Hitverdächtig auch der Titel „Enough Love“, bei dem McCafferty seine stimmlichen Qualitäten voll ausspielen kann.

Eher düster und schwieriger zum einhören „The Gathering“, während „Keep on Traveling“ mit stampfendem Rhythmus und stimmungsvollem Slide-Guitar-Solo aufwartet. Einer der Höhepunkte der musikalischen eher temperamentlosen „Arbeit“ von Jimmy Murrison, der ansonsten an seiner Les Paul kreuzbrave Gitarristen-Kost und einen dünnen Sound ablieferte. Der Gegenpol: Pete Agnews Sohn Lee an den Drumms. Dem gelingt es nicht nur, das Fußpedal kaputt zu treten, sondern ständig so vehement auf sein Schlagzeug einzudreschen, als ob es keine Unterschiede zwischen Ballade und Hardrock-Nummer gäbe. Und wenn er dann mit schöner Regelmäßigkeit mitten im Song das Tempo anzieht, dann hat auch Papa Pete am Bass damit zu kämpfen. Der steuert zum meist ziemlich ausgewogenen und anhörbaren Gesamtsound nämlich eine saubere, kernige Basslinie bei und zeigt beim Solo in „Morning Dew“, dass er mehr als nur das musikalische Fundament bilden kann.

Und wenn man bei Hits wie „Love Hurts“ oder der Zugabe „Dream on“ die Augen schließt, dann fühlt man sich um Jahrzehnte zurückversetzt, denn so frisch und jung klingt Dan McCaffertys Stimme. Nur dass seine Interpretationen heute intensiver und seine manchmal ganz leicht brüchigen Klänge noch Gänsehaut produzierender sind. Viel Jubel von den rund 350 Fans in der Nieferner Kirnbachhalle.