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Zum Brüllen komisch: Martina Schwarzmann im CongessCentrum. Foto: Roller
Zum Brüllen komisch: Martina Schwarzmann im CongessCentrum. Foto: Roller
12.04.2019

Lachsalven im Sekundentakt: Martina Schwarzmann plaudert und singt im CCP

Pforzheim. Eigentlich wollte Martina Schwarzmann in ihrer Jugend eine Punkband gründen. So richtig mit Irokesen-Frisur und allem drum und dran. „Aber ich habe ja überhaupt keine Zeit zum Rumlungern gehabt.“

Auf der Bühne steht sie mittlerweile trotzdem. Nur eben anders: mit ihrer Gitarre und vielen Geschichten im Gepäck. Geschichten mitten aus dem Leben, die die schwangere Kabarettistin ihrem Publikum am Mittwochabend im Pforzheimer CongressCentrum im Plauderton erzählt. Zum Beispiel von ihrem Weiberstammtisch. Ein Treffen, das man auf keinen Fall vorzeitig verlassen darf. „Sonst reden ja alle über Dich.“ Oder von ihren Kindern, die sie in der Öffentlichkeit nur „minderjährige Mitbewohner“ nennt. So viel Schutz der Persönlichkeitsrechte muss sein.

Auch dann, wenn man sonst ganz ungeniert aus dem Nähkästchen plaudert, von Einkaufstouren erzählt, vom ordnungsliebenden Gatten und vom Fensterputzen. Etwas, das sie nur tut, wenn „wirklich blöder Besuch kommt“. Denn mal ganz ehrlich: Der Haushalt ist doch ein „never ending Scheißdreck“. Und überhaupt: Warum soll ausgerechnet sie die Fenster putzen? „Mein Geschlecht qualifiziert mich doch nicht zur Tätigkeit.“ Schwarzmann kennt sich nämlich bestens aus mit dem Antidiskriminierungsgesetz. Und sie weiß, dass Toleranz einen Gewinn an Lebensfreude bedeutet. Allein schon, weil man sich dann nicht mehr so arg aufregen muss.

„Kein einziger Depp ist jemals davon gescheiter geworden, dass ich mich über ihn aufgeregt hab’.“ Fast schon philosophisch anmutende Worte aus dem Mund einer Frau, die nicht lange um den heißen Brei herumredet, sondern ausspricht, was sie denkt. Ihrem Publikum erzählt Schwarzmann eine Geschichte nach der anderen, berichtet von ihren Erlebnissen auf Autobahn-Toiletten, von ihrem „Saustall“ auf dem heimischen Schreibtisch und von ihrer Jugendzeit, als man noch heimlich Schulmädchen-Report geschaut hat. Und sie gibt Tipps: zur Kindererziehung, zur richtigen Nutzung der Klobürste und zur schönsten Nebensache der Welt: „Wer vögeln will, muss freundlich sein.“ Mit ihrem trockenen Humor bringt sie das Publikum im Sekundentakt zum Lachen. Immer wieder greift sie zur Gitarre und singt Lieder, die sich teilweise „nur fragwürdig“ reimen. Macht nichts. Schön anzuhören sind sie trotzdem. Findet auch das Publikum. Nach zwei Stunden spendet es tosenden Beifall. Dann folgt die Zugabe: „Eine geht, aber dann: Mutterschutz.“