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PZ-Praktikantin Laura Leone zeigt, wie sie aussehen könnte: eine digitale Plattform im Reuchlin-Museum, als Lernort für Toleranz und Menschenrechte.  Foto: Ketterl 

Land unterstützt neue Lernplattform „Reuchlin digital“

Pforzheim. Es ist eines von 40 Projekten, wofür das Land im Rahmen des Innovationsfonds Kunst insgesamt 1,1 Millionen Euro bereitstellt: Das Museum Johannes Reuchlin (MJR) an der Schloßkirche will mit „Reuchlin digital“ sein museumspädagogisches Angebot erweitern. Es soll am Beispiel des namensgebenden Humanisten zu einem zeitgemäßen Lernort von Toleranz und Menschenrechten werden. Eine Jury hat das Projekt unter 200 Anträgen diverser Einrichtungen ausgewählt, das Kunstministerium gibt dafür 50.000 Euro.

„Wir freuen uns sehr über die Bewilligung des Antrags“, sagt Claudia Baumbusch. Die Vize-Kulturamtsleiterin hatte ihn mit dem Reuchlin-Beauftragen Christoph Timm und Susanne Reinmüller, Beauftragte für kulturelle Bildung, gestellt. Zustande gekommen sei dies über einen Kontakt mit Thomas Schmidt, dem Leiter des Arbeitskreises der literarischen Museen in Baden-Württemberg, zu denen auch das Museum Johannes Reuchlin gehört. „Bei den Gesprächen ging es um Perspektiven der Vermittlung im MJR“, erinnert sich Baumbusch. Schmidt habe eine Exkursion zum Hebel-Haus nach Hausen im Wiesental empfohlen, das vor zwei Jahren ein digitales Format installiert habe.

„Wir haben uns vor Ort das dortige Konzept – eine Kombination aus digitaler, handlungs- und dialogorientierter Vermittlung – erläutern lassen und sahen die Möglichkeit eines Transfers auf unser Museum“, sagt Baumbusch. In diesem Frühjahr habe Schmidt geraten, den Förderantrag beim Innovationsfonds einzureichen.

Von September an wird die digitale Plattform nun konzipiert. Sie soll mündliche Lernvermittlung medial ergänzen, intensivieren und Perspektiven zum MJR sowie Bezüge zu den heutigen Lebenswelten der Schüler eröffnen. „Wir wollen fächerübergreifendes, nachhaltiges Lernen zu den Themen Neuzeit, Humanismus, Reformation, Interreligiosität sowie Menschenrechte in einer pluralistischen Gesellschaft fördern“, sagt Baumbusch. Diese Themen seien hochaktuell, gerade in einer Stadt, in der 54 Prozent der Bürger einen Migrationshintergrund haben.

Niederschwelliges Angebot

„Reuchlin digital“ soll selbstgesteuertes Lernen in kooperativen Formen anregen. Zielgruppen seien Klassen aller weiterführenden Schulen der Sekundarstufe 1. „Ein besonderer Fokus liege auf Schülern aus bildungsfernen und Migrationsmilieus, die wir durch eine niedrigschwellige, digitale Ansprache erreichen wollen.“ Partner sind das Reuchlin-Gymnasium und die Carlo-Schmid-Schule. Die Internetseite „Reuchlin digital“ werde den Lernort Museum als Teil der Pforzheimer Bildungslandschaft profilieren, sagt Baumbusch. Die Plattform basiere auf Erfahrungen des Partnermuseums in Hausen und könne als Prototyp für die Entwicklung weiterer Anwendungen für andere Zielgruppen und Museen gelten.

Das kommunale Museum Johannes Reuchlin eröffnet Einblicke in Werk und Wirkung des Humanisten (1455-1522). Die vor zehn Jahren eröffnete Ausstellung auf vier Ebenen vereint seine Schriften mit Teilen seiner Bibliothek in Form von Faksimiles sowie Dokumenten aus seinem Leben.

Ziel des Innovationsfonds Kunst ist es, kreative Freiräume zu schaffen. Das Ministerium wolle Projekte stärken, „die neue Denk- und Handlungsweisen befördern und Räume schaffen, in denen Menschen sich selbst und die Welt, in der sie leben, neu erfahren können“, sagte Kunststaatssekretärin Petra Olschowski bei der Bekanntgabe der Entscheidungen.