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Das Tafelbild „Die Beweinung Christi“ des namenlosen Meisters. Foto: Schuldt
Das Tafelbild „Die Beweinung Christi“ des namenlosen Meisters. Foto: Schuldt
Ein Schlüsselwerk der reformatorischen Kunst ist der Gothaer Tafelaltar aus der Werkstatt des Heinrich Füllmaurer, der das Gegenstück zu den Tafeln des Meisters von Meßkirch bildet. Foto: Schuldt
Ein Schlüsselwerk der reformatorischen Kunst ist der Gothaer Tafelaltar aus der Werkstatt des Heinrich Füllmaurer, der das Gegenstück zu den Tafeln des Meisters von Meßkirch bildet. Foto: Schuldt
Blick auf einen Sammelband mehrerer Wappenbücher. Foto: Schuldt
Blick auf einen Sammelband mehrerer Wappenbücher. Foto: Schuldt
Ausschnitt aus dem Drehflügel des Falkensteiner Altars. Foto: Schuldt
Ausschnitt aus dem Drehflügel des Falkensteiner Altars. Foto: Schuldt
08.12.2017

Landesausstellung über den Meister von Meßkirch in der Staatsgalerie

Stuttgart. Unbekannt sein Name, rätselhaft seine Herkunft: Die Staatsgalerie Stuttgart würdigt das fast 500 Jahre alte Werk des Meisters von Meßkirch bis Ostern mit einer Retrospektive. Für eine große Landesausstellung wurden Tafelbilder und Zeichnungen des namenlosen Künstlers aus dem Oberschwäbischen zusammengetragen, die sich heute weit verstreut in Museen und Privatsammlungen befinden.

Der Meister von Meßkirch gilt auch ohne Namen als einer der bedeutendsten Künstler seiner Zeit. Werke von Hans Baldung Grien, Lucas Cranach oder Albrecht Dürer setzen die Arbeiten in den Kontext. Direktorin Christiane Lange sprach von einem „großen Unbekannten“. Es gebe viele Quellen, jede Menge große Kunst, aber eben keinen Namen. Auf jeden Fall sei er es wert, erforscht zu werden. Zumal es noch nie eine Reprospektive seines Werkes gegeben habe. Er stammte aus Oberschwaben. Zwischen 1520 und 1540 war er dort tätig.

Der Kontrast in Stuttgarts Kunstmuseen könnte größer kaum sein: Das Kunstmuseum unweit am Schlossplatz präsentiert derweil auf drei Etagen gemalte Dokumente des schwulen Lebens in den USA aus den 1970er- und den 1980er-Jahren. Patrick Angus galt als der malende Chronist des Nachtlebens in New York.

Die Identität des genialen Meisters von Meßkirch kennt niemand. „Gerne hätten wir das Namensrätsel gelöst“, sagte Kuratorin Elsbeth Wiemann gestern vor der Eröffnung. Das Mysterium bleibe aber erhalten. Sein Notname beruht auf einem Altarzyklus, den er für die Pfarrkirche St. Martin in Meßkirch bei Sigmaringen schuf. Mit bis zu zwölf Altären entstand dort zwischen 1535 und 1540 ein farbgewaltiges „Bollwerk gegen die Reformation“, wie es bei der Staatsgalerie hieß.

Mit 188 Exponaten, darunter etliche Leihgaben aus Europa und den USA, widmet sich die Staatsgalerie dem Wirken des Mysteriums so umfassend wie bisher niemand. Katholische Pracht beherrscht die Räume der Alten Staatsgalerie. Kontrastiert wird sie mit einem Schlüsselwerk der reformatorischen Kunst: den 162 Bildtafeln des Gothaer Tafelaltars, der einst für den württembergischen Regenten Herzog Ulrich geschaffen wurde und als bildreichstes Werk der Altdeutschen Malerei gilt.

Die goldglänzenden Bilder des Meisters von Meßkirch lassen vergessen, dass zu ihrer Entstehungszeit Europa in seinen Grundfesten erschüttert wurde. Wie ein Lauffeuer verbreitete sich, von Wittenberg ausgehend, die Idee einer Reform der Kirche. Neben Flugblättern und Holzschnitten, die den medialen Kampf gegen die Papstkirche illustrieren, verbildlichen Hauptwerke Cranachs in der Ausstellung die lutherische Lehre.