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Ausdrucksstarkes Musizieren in der evangelischen Kirche Schömberg. Foto: Molnar
Ausdrucksstarkes Musizieren in der evangelischen Kirche Schömberg. Foto: Molnar
06.11.2017

Landesjugendbarockorchester und Chor spielt in Schömberg

Ein zu Lebzeiten viel beachteter, jedoch in Vergessenheit geratener Komponist stand im Mittelpunkt des Konzerts des Landesjugendbarockorchesters Baden-Württemberg (LJBO BW) in der evangelischen Kirche Schömberg – Niccolò Jommelli (1714–1774). 2015 wurde das Ensemble gegründet, dieses Jahr übernahm der Landesmusikrat die Trägerschaft.

In den Herbstferien trafen sich die jungen, talentierten Musiker bei Schömberg und studierten die erste und sechste Simphonia in E-Dur sowie das Requiem Es-Dur des neapolitanischen Komponis-ten mit dem zwölfköpfigen Pro-jektchor der Musikhochschule Trossingen ein. Das Ergebnis kann sich sehen und hören lassen, erzeugt das Kammerorchester doch einen erstaunlich schönen Klang auf den Instrumenten alter Mensur.

Die Schwierigkeit dabei liegt unter anderem darin, dass die Bögen anders gebaut sind, die Darmsaiten viel sensibler sind und sich die Stimmung mit 415 Herz von der heutigen mit 440 Herz unterscheidet. Unter professioneller Anleitung von Gerd-Uwe Klein (Gesamtleitung), der seit 2000 im Freiburger Barockorchester mitwirkt, Georg Noeldeke (tiefe Streicher), Carsten Lorenz (Cembalo und Orgel) und Gundula Anders (Chor) haben die 14- bis 30-Jährigen ein vielschichtiges Klangbild erarbeitet. Nicht als Ganzes wird das Requiem präsentiert, sondern von den zwei kurzen Sinfonien umrahmt.

Jommeli hat vor allem Opern komponiert, sodass diese dreisätzigen Stücke als Einleitungs- oder Zwischenaktmusik anzusehen sind. Mit frischem Elan macht denn auch das LJBO mit der „Simphonia I“ Lust auf die ersten vier Teile der Missa pro defunctis. Viel Spielfreude zeigen die Nach-wuchsstreicher vor allem in den dynamisch reizvollen Außensät-zen. Auch das Requiem von 1756, das Jommelli mit Stilmitteln der italienischen Oper und kontrapunktischen Satztechniken versah, kommt mit Schwung und Einfühlungsgabe zum Ausdruck.

Klein leitet das Ensemble vom Konzertmeisterpult aus. Mit ruhigem dunklem Gesang, der wie ein Gebet wirkt, beginnt und endet das geistliche Werk. Nach dem schnellen Kyrie eleison mit stark betontem „Christe“ und filigra-nem „Eleison“ folgt der umfang-reichste Satz (Prosa – Dies Irae). Dieser erklingt im Wechsel von energischen Chor- und ruhevollen Solopassagen mit langen Haltetö-nen.

Besonders die Sopranistin Baiba Urka und der Altus Xuhui Du, aber auch die Tenöre und Basssänger, heben sich mit ihren leuchtend schönen Stimmen ab. In schlanker Höhe gelingt der Sopranistin etwa die feinfühlige „Benedictus“-Arie im Sanctus. Die Zuhörer zeigen sich von den jungen Künstlern denn auch sehr angetan.