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Evangelische Stadtkirche statt Hof des Reuchlinhauses: Das Landespolizeiorchester Baden-Württemberg spielt unter der Leitung von Stefan R. Halder angesichts der unsicheren Wetterlage lieber in trockener Umgebung. Foto: Roller
Evangelische Stadtkirche statt Hof des Reuchlinhauses: Das Landespolizeiorchester Baden-Württemberg spielt unter der Leitung von Stefan R. Halder angesichts der unsicheren Wetterlage lieber in trockener Umgebung. Foto: Roller
Roland Härdtner am Vibraphon – und in seinem Element. Foto: Roller
Roland Härdtner am Vibraphon – und in seinem Element. Foto: Roller
23.07.2018

Landespolizeiorchester kommt mit Boris Ritter und Roland Härdtner gut an

Pforzheim. Manchmal kommt es eben ein bisschen anders als man zuvor gedacht hatte. Dann kann es passieren, dass ein Konzert in einen geschlossenen Raum verlegt wird, das ursprünglich im Freien geplant war – vom Hof des Reuchlinhauses in die Stadtkirche.

Dann wird ein Sommerabend zu einem normalen Abend mit ein paar dichten Wolken am Himmel, aus denen ein paar Tropfen fallen. Aber das ist nicht schlimm, denn nicht nur das Wetter ist am Samstag wandlungsfähig, sondern auch die Mitwirkenden des Benefiz-Konzerts sind es: das Landespolizeiorchester, Pianist Boris Ritter und Malletspieler Roland Härdtner. Für sie ist es kein Problem, das Programm kurzfristig etwas abzuändern, ein paar Stücke herauszunehmen, die zu kraftvoll sind für einen geschlossenen Kirchenraum, und sie durch neue, besser geeignete zu ersetzen.

Zum Beispiel durch die dreisätzige „First Suite“ von Gustav Holst (1874-1935), die der Komponist für Militärorchester geschrieben hat, die genauso wie die im Anschluss dargebotene „Second Suite“ im neuen Gewand ganz entspannt klingt – gar nicht nach Kasernenhof, sondern eher nach Jazzclub. Mit viel Gefühl für gehen die Musiker des Landespolizeiorchesters unter Stefan R. Halders Leitung die verschiedenen Tempi an. Beweglich agieren sie auch bei der ebenfalls mit zahlreichen Tempo- und Taktwechseln gespickten Jazz Suite des deutschen Komponisten Manfred Schneider, der viele Jahre mit dem Heeresmusikkorps 300 in Köln spielte. Walzer, Samba und Ballade erinnern an den vor rund zwei Jahren verstorbenen Jazzmusiker Roger Cicero und an Lionel Hampton, den berühmten Virtuosen am Vibraphon. Ein Instrument, das Roland Härdtner in Pforzheim bekannt gemacht hat. Mit den beiden Schlegeln bearbeitet er mal leidenschaftlich die Platten, mal tippt er sie nur zart an. Fantastische Klangbilder entstehen – auch in Bachs „Air“.

Von Mozart bis Márquez

Ein Stück, das Boris Ritter ebenso neu arrangiert hat wie Mozarts „Alla turca“. Die Streicher weben einen zarten Klangteppich, auf dem Härdtner mit dem hellen Klang seines Vibraphons Akzente setzt. Leidenschaftlich klingt das von Ritter neu arrangierte „Suntan“ von Michel Camilo, feurig und expressiv wirkt das „Danzón No. 2“ von Arturo Márquez. Härdtner verausgabt sich an seinem Instrument, spielt rasant, wild, energisch, kraftvoll. Die Klangfarben vermischen sich zu einem exotisch anmutenden Wirrwarr. Mit brillantem Tastenanschlag begeistert Boris Ritter am Piano, nuanciert, variantenreiche und mit viel Klarheit.

Das Ende des Konzerts kommt nach gut zwei Stunden viel zu schnell. Das Publikum spendet tosenden Beifall im Stehen. Einige Minuten und etliche Verbeugungen später erklingen zwei Zugaben. Der Erlös des vom Lions Club Pforzheim-Enz organisierten Benefizkonzerts geht an das Pforzheimer Haus der Jugend.